Piz Buin (3.312 m)
- Helmut Aschauer
- 5. Mai
- 3 Min. Lesezeit

2 starke Gründe sprechen für den Piz Buin
Erstens: Das durch den Staatsfeiertag verlängerte Wochenende verspricht ausgesprochen schön zu werden. Zweitens: Maros, der bereits eine Woche vorher in der Silvretta unterwegs war, hat erkundet, dass die Silvretta Hochalpenstraße mit dem (E-)Bike bis zur Bieler Höhe befahrbar ist. Diese beiden Umstände sprechen für mich unumstößlich dafür, den Tourenvorschlag „Piz Buin“ den Wettersteinern zu unterbreiten. Die Resonanz ist verhalten, nur Roger ist gleich begeistert und sagt zu. Maros, der selbst keine Zeit hat, fragt, ob er uns seine bezaubernde Frau Maria „mitgeben“ kann, was wir beide sofort mit Ja beantworten.
Die Bike- & Ski-Tour beginnt
Mit Vanster-Reisen fahren wir bis zum Ortsteil Wirl hinter Galtür. Hier ist Schluss mit Autofahren, die Räder müssen ausgeladen werden. Wir Männer verfügen jeweils über ein E-Bike, während Maria auf ihre Muskelkraft vertrauen muss. Schwer beladen, die Schi auf die Rücksäcke geschnallt, überwinden wir die rund 500 Hm bis zur Bieler Höhe auf vollkommen aperer Asphaltstraße. An der Staumauer angekommen, nutzen Roger und ich den E-Bike-Vorsprung auf Maria zum Flüssigkeitsnachschub mittels Hopfensaft. Doch Maria lässt nicht lange auf sich warten.

Langer Hüttenaufstieg mit Bachquerung
An der Staumauer beginnt eine weitgehend geschlossene Schneedecke, die Räder werden abgesperrt. Es geht mit Schi weiter, die ersten zwei Kilometer flach entlang des Stausees. Dann biegt die Route ins Ochsental ein, bald müssen wir eine abenteuerliche Bachquerung bestehen. Alles geht gut, keiner wird richtig nass. Der weitere Weg zieht sich bis zur Wiesbadener Hütte, wir benötigen insgesamt ca. 2:30 von unseren Fahrrädern.
Ein Winterraum vom Feinsten
Da die Wiesbadener Hütte die Wintersaison bereits beendet hat, steht uns zur Übernachtung nur der Winterraum zur Verfügung. Dieser entpuppt sich als Luxusunterkunft: eine eigene Küche mit Tisch und Bank, drei Schlafräume, elektrisches Licht in allen Räumlichkeiten, ein elektrischer Ventilator zum Anheizen und nicht zuletzt ein Indoor-Plumpsklo. Noch dazu sind wir die einzigen hier, kein Mensch ist weit und breit in Sicht.
Wir genießen den verbleibenden Nachmittag in der Sonne vor der Hütte. Anschließend wird eingeheizt und gekocht, zur Vorspeise Gemüse- und Spargelcremesuppe, als Hauptgang Spaghetti mit Sugo. Roger legt immer wieder nach, bis der Ofen fast glüht, es ist angenehm warm in der Stube. Den Abend verbringen wir mit „Arschlochelen“, einem äußerst lustigen Kartenspiel, bei dem Maria uns zwei Männer immer wieder aufs Glatteis führt und sich damit zur „Dauerkönigin“ kürt.

Aufbruch zum Piz Buin

Nach geruhsamer Nacht und Frühstück starten wir um 8:30 vor der Hütte. Über die Grüne Kuppe muss man zuerst das Ochsental zum westlichen Rand des gleichnamigen Gletschers queren. Der einst mächtige Gletscherbruch ist fast verschwunden, nur ein paar Spalten sind noch sichtbar. Auf einer Höhe von 2.800 m erreichen wir die weite Gletscherfläche, die sich nun bis zur Buinlücke (3.054 m) hinaufzieht.
Hier deponieren wir die Schi, die Steigeisen werden benötigt. Nach rund 100 Hm erreichen wir eine kleine Schulter, bei der der schwierigste Teil des Aufstiegs beginnt. Nordseitig leitet die Route durch Rinnen und kurze Kamine auf des Gipfeldach. Wir verwenden die vorhandenen Bohrhaken zur Sicherung.

Das Gipfeldach ist dann wieder einfach, stapfen in Schnee und Schotter ist angesagt. Schließlich erblicken wir das Kreuz, nach rund 4 Stunden umarmen wir uns zum Berg Heil – ein erhebender Moment, endlich auf diesem berühmten Gipfel zu stehen.

Man muss auch wieder runter
Nach eine halbstündigen Gipfelrast steigen wir vorsichtig ab, wobei wir die Steilstufe wieder mit Seilsicherung und kurzen Abseilern überwinden.


Am Gletscher beginnt ein Firntraum der Extraklasse, wir schmieren gerade so über die ebenmäßigen Gletscherflächen hinunter. Der Rest der Abfahrt zieht sich etwas, besonders der letzte Abschnitt entlang des Stausees will nicht mehr aufhören. Aber auch diese Mühen können die Freude über das Erlebte nicht schmälern.

Ausklang in Mils
Nach flotter Radabfahrt von der Bieler Höhe zum Auto steuern wir als erstes den M-Preis in Galtür an, die Kehlen sind ziemlich austrocknet. Kalte Getränke löschen den ersten Durst. Wir fahren vorbei an Ischgl, wo gerade tausende Partytiger das heutige „Top of the Mountain Closing Concert“ mit Christina Aguilera nachfeiern – für uns nach zwei Tagen absoluter Bergeinsamkeit ein absolutes No-Go. Für das Abendessen schlägt Maria den Dorfwirt in Mils bei Imst vor, wo wir bei Wienerschnitzeln mit Pommes diese herrlichen Tourentage entspannt und etwas müde ausklingen lassen.


