Skitourenreise Matreier Tauernhaus 26.-31.3.2026
- Helmut Aschauer
- vor 3 Tagen
- 7 Min. Lesezeit
geschrieben von: Maros

Weil die Wettersteiner in dieser Saison bereits eine große Reise nach Chile unternommen haben, wurde vom Hemmi vorgeschlagen, dass wir unsere regelmäßige „Auslandsreise“ im Frühjahr im einfacheren Stil halten und nach Osttirol fahren – konkret ins Tauerntal mit Übernachtung am Matreier Tauernhaus, das sich am Eingang des Tales kurz unterhalb des Südportals vom Felbertauerntunnel befindet.
Die Wettervorhersage für die vier geplanten Tourentage ist nicht optimal – gleich am Anreisetag ist Schneesturm mit bis zu 40 cm Neuschnee gemeldet, die anderen Tage soll das Wetter eher durchwachsen sein, nur am Samstag sollte sich die Sonne durchgehend zeigen. So ist es auch und wir fahren im heftigen Schneesturm am Donnerstagnachmittag an. Ich werde netterweise von Hemmi, Roger und Markus in Wörgl abgeholt wo ich direkt aus meiner Geschäftsreise nach München mit dem Zug anreise.

Etwa einenhalb Stunden danach schaffen wir auch schon unsere erste Pulverabfahrt und zwar mit dem Auto vom Felbertauerntunnel Südportal bis zum Hotel – es schneit und windet wie die ganze Saison nicht.

Im Hotel warten schon die anderen Teilnehmer dieser Skitourenreise – Hermi, Koxi, Erhardt Andi und Stefan, weitere drei (Felder Reini und Much + Aschandi) kommen am Freitag noch dazu. Kurz danach wird das Abendendessen serviert und somit wie auch mit einer großzügigen Weinspende vom Erhardt Andi starten wir offiziell diese Skitourenreise. Es ist Donnerstag und weil die meisten aktiven Mitglieder sowieso da sind, wird auch ein offizielles Vereinsabend abgehalten, dessen Höhepunkt ein „anteiliges“ Singen des Geburtstagslieds für Schauer Wolfi, der gerade 60 wurde. Dies funktionierte so, dass das Lied bis KINDER gesungen wurde und dann wurde er per Whatsapp-Videonachricht gebeten eine Runde zu zahlen, wonach ihm der Rest des Liedes gesungen worden wäre, sollte er sich bereiterklären die Runde zu zahlen. Leider sieht er die Nachricht erst am Freitag, spendiert aber schlussendlich die Runde, wonach wir den Rest des Liedes per Whatsapp schicken.

Weil es in der Nacht vielmehr von links nach rechts als von oben nach unten geschneit hat, meldet der Lawinenwarndienst Tirol am Alpenhauptkamm natürlich einen glatten 4-er. Dementsprechend wird auch die Tourenwahl getroffen und wir weichen ins Defereggental aus – südlich vom Hauptkamm, wo es keine starken Schneefälle gegeben hat und wo auch das Wetter freundlicher sein sollte. Das Ziel A – Gagenhöhe wird nicht angegangen, weil der Zustiegsweg komplett aper ist, wir fahren weiter ins Skigebiet Brunnalm, wo wir die Langschneid (2688 m) als Ziel ins Auge fassen. Dies erweist sich als deutlich besser und wir fangen die Skitour mit einem flacheren Pistenanstieg an, der dann auf einer Forststraße Richtung des Almgebiets der Bruggeralm weitergeht. Vor der Bruggeralm biegen wir rechts ab und gehen durch eine steilere Stufe Richtung Ragötzlalm weiter. Hier warten wir zusammen. Trotz starken Windes sind alle motiviert – auch unser Ehrenmitglied Hermi (83 J.) kommt problemlos zu der Alm.

Danach geht es weiter in die Ragötzllenke – ein Joch ca. 200 Hm. unterhalb des Gipfels. Hier ist es wie in einem Windtunnel, man kann kaum auf den Beinen stehen. Von hier geht es im flachen Gelände zum breiten Gipfel der Langschneid. Wegen Wind machen wir diesen gruppenweise als Etappengipfel und fahren gleich (manche tiefer, manche weniger tief) in eine Mulde, wo es etwas windgeschützt ist. Der Nordföhn hat bereits die Wolken auseinandergerissen und wir genießen eine erstaunlich angenehme Gipfelrast mit Blick in die Dolomiten.

Danach folgt lediglich die Abfahrt im Schnee aller Aggregatzustände mit Einkehr auf der sonnigen Terrasse eines Skihotels an der Talstation des Skigebiets Brunnalm.
Hier genießen wir die Nachmittagssonne aus dem bereits wolkenlosen Himmel.
Im Hotel angekommen, wurde von Roger gleich ein Aufruf für Saunagänger gestartet und Roger erklärte sich auch für die Rolle des Sauna- und Aufgussmeisters bereit. So wurde es unter seiner Leitung bis in die späteren Nachmittagsstunden sauniert und nicht nur die Wettersteiner, sondern auch andere Hotelgäste haben Roger für seine Saunatätigkeiten gefeiert.
Später beim sehr guten Abendessen mit Kürbiscremesuppe und zarten Schweinebacken mit Polenta wurde der Plan für Samstag auserkoren. Samstag sollte der wettermäßig beste Tag sein, weshalb wir uns intensive Gedanken gemacht haben wohin die Reise gehen sollte. Mein Vorschlag auf die Rote Saile direkt vom Hotel aus zu gehen wurde zuerst angenommen, nach einigen kritischen Überlegungen insbesondere wegen Lawinengefährdung der Zustiegsroute aber wieder abgelehnt.
Als Plan B wurde von Aschaber Andi die Schönleitenspitze im Lesachtal vorgeschlagen, diese zeigte sich am nächsten Tag aber sehr aper, weshalb Hemmi situationselastisch den Plan C entwickelt. Dieser heißt Weißer Knoten im Bereich der Glorer Hütte vom Parkplatz Lucknerhaus aus. Nach einer kurzen Anreise über die Kalser Glockner-Mautstraße begrüßt uns ein wunderschönes Bergpanorama mit dem in einer kleinen Wolke verhüllten Großglockner.

Wir starten wieder bei starkem Nordföhn – es geht zuerst auf einer relativ gut eingeschneiten Forststraße Richtung Glorer Hütte, nach etwa 500 Hm biegen wir von dem Glorerhütten-Anstieg links ab Richtung des Grates von unserem bereits von weitem sichtbaren Gipfel. Beim Aufstieg zu diesem Grat merkt man die heiklere Lawinensituation, es macht mehrmals „Wumm“ unter meinen Skiern, zum Glück ist das Gelände aber ziemlich flach. Am Grat angekommen kann man noch etwa 50 Höhenmeter mit Ski aufsteigen, dann werden die Ski geschultert und so der Aufstieg auf dem relativ einfachen Grat bewältigt. Roger, Aschandi und Markus schaffen den sogar komplett mit Ski. Oben angekommen begrüßt uns ein fast windstiller Gipfel, den bis auf Erhardt Andi alle inklusive Hermi erreichen – was für eine Freude ist es mit ihm nach langer Zeit wieder auf einem Gipfel zu stehen! Wir genießen den wunderschönen Rundumblick in die Hohen Tauern mit immer noch in einer kleinen Wolke verhülltem Großglockner als zentralen Punkt.

Nach ausgiebiger Gipfelrast fahren wir über die mäßig steile Südostflanke des Weißen Knoten ab mit der Hoffnung, dass wir hier sogar Firn vorfinden. Firn finden wir schlussendlich leider nicht und es geht in einer Kombination von gesetztem Pulver, Windharsch und tragfähigem Deckel nach und nach zurück auf die Forststraße und zum Parkplatz.
Nach ein paar Kaltgetränken, die wir neben den Autos genießen, kommt Hermi mit einer hervorragender Idee – einem Watschelenspiel. Weil der Wind immer wieder stark auflebt und die Temperatur sich in Grenzen hält, einigen wir uns auf ein „Death-Match“ – also ein Watschelenspiel nur mit einer Runde – wer gewinnt, ist der Gesamtsieger. Wir spielen auf einer harten Parkplatzoberfläche, was die Technik und Taktik stark beeinflusst, denn die Platten bleiben nicht wie gewohnt im Boden stecken sondern prallen oft ab in schwer berechenbare Richtungen. Die Bedingungen sind aber für beide Teams gleich und das Spiel wird mit 15:9 von den Jungen gewonnen.

Interessant war die Altersgrenze – bei dieser Skitourenreise gibt es erstaunlich viele ganz junge Junge und somit wird die Grenze bei Roger gezogen, der heute der jüngste Älteste oder älteste Junge ist. Bei der Teamaufstellung entscheidet er sich für das Team der Alten und zerlegt ihr Spiel von Innen.
Das faire Spiel lassen wir im Lucknerhaus bei Bier und Suppen revue passieren und machen uns auf die Rückfahrt. Der Nachmittag verläuft ähnlich wie am Vortag mit Roger als Saunawart und einem lustigen Beisammensitzen mit zahlreichen Weinspenden von den Felder Buam, Stix, Hemmi und Stefan. Am Abend wird auch das nächste Ziel gewählt – das Wetter soll sich wieder verschlechtern und deshalb wählen Hemmi und Roger aus dem Tourenführer eine Scharte, die „Ochsenlenke“ wieder im Bereich des Skigebiets St. Jakob in Defereggental aus.

Die Tour fängt wieder im Skigebiet an und geht an der Bruggeralm vorbei durch ein langes Tal auf die ca. 2700 hohe Scharte. Der Weg fühlt sich heute unendlich an – generell bin ich fast die ganze Skitourenreise erschöpft und nicht sehr gut drauf, weil ich hier, obwohl ich ein luxuriöses Einzelzimmer habe, wahrscheinlich wegen eines falschen Jin-Jang, Feng-Shuei oder welcher auch immer Störenergie nicht gut schlafen kann. Nächstes Mal will ich ein Zimmer mit einem g'scheiten Schnarcher teilen. Aber nicht nur ich bin heute müde, den psychisch anstrengenden Aufstieg mit einem Höhengewinn von gefühlt hundert Höhenmetern auf zehn Kilometer geben zuerst Hermi und Koxi auf, dann folgen nach ca. 700 Hm Reini und ich, und das heutige A-Team mit Hemmi, Roger, Stix, Markus, Andi und Stefan schafft 1100 Hm. – die Scharte wurde heute nicht erreicht und die Skitour auf der Eggenhütte abgeschlossen.

Am Morgen unseres vierten Tages am Matreier Tauernhaus, es ist inzwischen immerhin schon Montag, teilen sich die Wettersteiner ein weiteres Mal auf: Koxi, Hermi, Stix und Andi Erhart treten nach dem Frühstück die Heimreise an, wir verabschieden uns herzlich und beglückwünschen uns zu den lässigen Genuss-Tourentagen in Osttirol. Der verbleibende Teil von vier Wettersteinern, bestehend aus Markus Testor, Stefan, Roger und Hemmi hat noch nicht genug vom Schnee und plant für den letzten Tag eine Tour – wieder wetterbedingt südlich des Alpenhauptkamms – im Villgratental.

Natürlich haben wir – wie schon fast jeden Tag – nicht vergessen, ein „geklautes“ Jausebrot vom Frühstücksbuffet in die Jackentasche zu stecken. „Offiziell“ hätte so ein Lunchpaket € 3,- gekostet, aber „so“ schmeckt es einfach viel besser! Wir brauchen eine gute Stunde bis Kalkstein oberhalb von Innervillgraten, hier ist das Wetter besser als erwartet. Im Sonnenschein steigen wir ca. 2:30 zum Gaishörndl (2.615 m) auf, eine wahre Genusstour zum Abschluss. Unsere beiden starken Geher, Roger und Markus, „matcheln“ sich am Gipfelhang zuletzt noch mit einem jungen Salzburger, naja, dieser hat nicht mit zwei alten Tiroler Profis gerechnet! Bald stehen wir alle zu viert vereint am Gipfel und genießen die großartige Rundumsicht bis hin zu den Drei Zinnen. Kalter Nordwind mahnt zur baldigen Abfahrt, der arme Stefan darf nicht einmal mehr sein Jausenbrot in Ruhe zu Ende essen.

Über gemischte Schneeverhältnisse, von Firn über Bruchharsch bis zu ganz wenig Pulver ist alles dabei, geht es bei ebenso gemischten Sichtverhältnissen zurück zum Parkplatz. Die „Badl Alm“ in Kalkstein hat zum Glück trotz angeschriebenem Ruhetag geöffnet, wir können uns mit Knödeltris und Gerstlsuppe stärken. Ein Besuch beim Grab des berühmtesten Sohns von Kalkstein, dem „von zwei Jägern aus der Nachbarschaft kaltblütig und gezielt erschossenen Pius Walder“ (steht so auf seinem Grabstein), rundet unseren Besuch im Villgratental perfekt ab.
Durch das verkehrsreiche Pustertal fahren wir Richtung Brenner, um ca. 17 Uhr sind alle wieder zu Hause. Eine weitere wunderschöne und erlebnisreiche „Auslandsbergfahrt“ der Alpinen Gesellschaft Wettersteiner geht damit zu Ende.