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Auslandsbergfahrt Chile

Firn am Feuerring


4. - 19. 10. 2025


Vulkan Llaima
Vulkan Llaima

Aufbruch zu einer besonderen Vulkanreise

Die Alpine Gesellschaft Wettersteiner zieht es gerne in die Ferne, meist um exotische Auslandsbergfahrten und Schitourenreisen zu machen. So entschlossen sich insgesamt 19 Mitglieder, im Oktober 2025 mit Tourenschi im Fluggepäck für 2 Wochen nach Chile aufzubrechen. Mit seiner gewaltigen Nord-Süd-Ausdehnung von rund 4.300 km weist Chile eine große Vielfalt an verschiedenen Klimazonen auf, für Schitouren am besten geeignet ist der „Kleine Süden“, der sich von der Hauptstadt Santiago südwärts bis Puerto Montt erstreckt. Hier befinden sich etliche isoliert stehende Vulkane, die bei entsprechenden Bedingungen mit ideal geneigten Firnhängen locken.


Es beginnt mit einer Panne

Nach einem 14-stündigen Nachtflug landen wir am 5. Oktober 2025 mit der Air France in Santiago de Chile. Bei der Gepäcksausgabe müssen wir leider feststellen, dass 5 Paar Tourenschi offenbar nicht mitbefördert wurden, was bei deren Besitzern absolut keine Freunde aufkommen lässt. Da wir aber den anschließenden Inlandsflug nach Temuco nicht versäumen wollen, müssen die Bedauernswerten – nach erfolgter Verlustmeldung – ohne Schigepäck weiterreisen.


Beim Anpassen der Leihschi
Beim Anpassen der Leihschi

In Temuco übernehmen wir 5 allradbetriebene Pickups, die sich in den kommenden zwei Wochen als sehr nützlich erweisen sollten und fahren damit bis nach Curacautin zum Hotel Andenrose. Hier werden wir die ersten 3 Nächte in Chile verbringen, das Hotel wird vom sehr freundlichen und hilfsbereiten Hans, einem nach Chile ausgewanderten Bayern, betrieben. Hans hat auch bald eine Lösung für die fehlenden Tourenschi parat und nennt uns ein Geschäft im nahen Malalcahuello, wo wir am nächsten Tag 5 Paar neuwertige Schi mit Fellen zum Ausleihen bekommen.


Start zum Lonquimay
Start zum Lonquimay

Lonqiumay, eine großartige Einstiegstour

Der ersten Schitour auf den Vulkan Lonquimay (2.890 m) steht nun nichts mehr im Wege. An dessen Fuße befindet sich das Schigebiet Corralco, wo gerade Schirennläufer aus Chile und der ganzen Welt trainieren, angeblich auch Lindsey Vonn. Wir steigen etwas abseits der Pisten zuerst bis zur Bergstation des höchsten Liftes auf 2.400 m auf. Ab hier macht sich unangenehmer Wind bemerkbar, der sich nach oben hin massiv verstärkt. In Gipfelnähe wirft er uns fast um, sodass unser Besteigungsversuch ca. 100 m darunter abgebrochen werden muss. Auch kein Problem, wir schwingen über die Pisten und den schon etwas tiefen Firn daneben genussreich hinunter zum Parkplatz.


Am Weg zum Llaima
Am Weg zum Llaima

Unser höchster Berg, der Llaima

Aufgrund des guten Wetterberichts streben wir tags darauf gleich den nächsten Vulkan an, und zwar den Llaima mit seinen stolzen 3.125 m. Schon bei der Anreise erschrecken wir fast über die gewaltigen Ausmaße dieses in den Himmel ragenden Riesen. Wir können mit den Autos bis auf rund 1.450 m fahren, wo sich das kleine Schigebiet Araucarias befindet. Die Lifte sind hier nicht mehr in Betrieb, dank des Neuschnees der letzten Tage können wir aber von den Autos weg mit Schi losgehen.

Der Aufstieg zum Gipfel erfordert einiges an Einsatz, nicht nur die große Entfernung und der ebensolche Höhenunterschied, auch die Steilheit im oberen Teil machen den Llaima zu einem anspruchsvollen Berg. Steigeisen werden benötigt, nach knapp 5 Stunden stehen wir am Kraterrand, ein erhebender Augenblick. Die Abfahrt ist dank des von der Sonne aufgeweichten Schnees vom Gipfel weg möglich und bietet schönen Firngenuss.


Gipfelstunde am Llaima, 3.125 m
Gipfelstunde am Llaima, 3.125 m

Ortswechsel nach Pucón

Zurück beim Hans in der Andenrose wird der Llaima natürlich gefeiert. Am nächsten Tag steht ein Ortswechsel nach Pucón am Programm. Pucón ist ein gemütlicher Tourismusort, der am Lago Villarrica und am Fuß des Vulkans Villarrica gelegen ist. Dieser stellt für uns auch das Hauptziel in dieser Gegend dar, ist der Vulkan Villarrica (2.840 m) doch einer der beliebtesten und am häufigsten bestiegenen Gipfel in Chile. Da müssen auch die Wettersteiner hinauf! Die für den nächsten Tag geplante Besteigung verläuft aber nicht wunschgemäß. Zuerst müssen wir feststellen, dass auch hier die Lifte nicht mehr in Betrieb sind, was einen Aufstieg von insgesamt 1.600 Hm und zuerst Schitragen bedeutet. Im oberen Teil der Tour spielt das Wetter nicht mehr mit, es zieht rasch zu, dazu kommt starker Wind auf. Die meisten von uns drehen auf rund 2.400 m um, nur die ganz hartgesottenen ziehen bis zum Gipfel durch. Die Abfahrt bietet aber wieder schöne Firnhänge, leider mit geringer Sicht.


Der Villarrica vom Villarrica-See
Der Villarrica vom Villarrica-See

Dschungeltour zum Quetrupillán

Im Dschungel des Quetrupillán
Im Dschungel des Quetrupillán

Eine weitere Tourenmöglichkeit um Pucón ist der Quetrupillán (2.360 m), den wir uns als Tour Nr. 4 vorknöpfen. Nach einer spannenden Anreise über grobe Wege müssen die Schi fast 2 Stunden lang auf einem schmalen Pfad durch den dichten Urwald getragen werden. Auf 1.500 m erreichen wir endlich die Schneegrenze, hier geht der Urwald in Gestrüpp mit niedrig wachsenden harten Sträuchern über, was für den Aufstieg ebenfalls äußerst hinderlich ist. Nach einer weiteren Stunde mit wenig Höhengewinn und aufgrund der immer noch großen Entfernung zum Gipfel brechen wir die Tour ab. Auf der Rückfahrt machen ein paar von uns noch einen Abstecher zu den Termas Palguin, einem einfachen Thermalbad mit 1 Becken. Der folgende Entspannungstag führt die meisten unserer Gruppe in die bekannten Termas Geometricas, einem architektonisch schön angelegten Thermalbad mit unzähligen Becken, in einer Schlucht gelegen. Sie sind von dieser einzigartigen Anlage begeistert. Andere bleiben in Pucón mit der Begründung: „Ich bin doch kein Suppenhuhn!“


Suppenhühner in den Termas Geometricas
Suppenhühner in den Termas Geometricas

Villarrica die Zweite

Für den nächsten Tag, es ist nun schon über eine Woche vergangen, verheißt die Wettervorhersage ausgezeichnetes Tourenwetter. Wir entschließen uns, nicht gleich wie geplant weiterzureisen, sondern nochmals den Villarrica zu versuchen. Von den 12 Aspiranten erreichen diesmal fast alle den Gipfel mit seinem dampfenden Krater und pilzartigen Eisformationen. Der Ausblick auf die darunterliegende Seenlandschaft und die umliegenden Vulkane entschädigt für die Mühen des 4- bis 5-stündigen Aufstiegs. Nach der Tour müssen wir noch knapp 3 Stunden zu unserer nächsten Destination weiterfahren, dem kleinen Ort Neltume im Gebiet Huilo Huilo.



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Glückliche Gipfelsieger am Villarrica (2.840 m)
Glückliche Gipfelsieger am Villarrica (2.840 m)

Huilo Huilo Reservat und Vulkan Mocho

Wasserfälle in Huilo Huilo
Wasserfälle in Huilo Huilo

In der Neltume Lodge, die ein bisschen an eine Berghütte erinnert, werden wir vom Wirt Marcello freundlich empfangen und verköstigt. Die Zimmer sind etwas eng aber gemütlich. Marcello empfiehlt uns für unseren Aufenthalt hier unbedingt einen Besuch im privaten Naturreservat Huilo Huilo, was wir am folgenden Tag auch machen. Zur Hauptattraktion zählen dabei beindruckende Wasserfälle, die wir bei einem einstündigen Rundgang hautnah besichtigen können. Außerdem besuchen wir eine architektonisch einzigartige Natur-Hotelanlage. Ein Mittagessen mit anschließender Shoppingtour für Alpaka-Jacken im schön am Lago Pirihueico gelegenen Puerto Fuy und eine Bootsfahrt mit Tanzparty runden diesen Besichtigungstag perfekt ab.


Schifffahrt im Naturreservat Huilo Huilo
Schifffahrt im Naturreservat Huilo Huilo

Neltume liegt auch am Fuße der Vulkane Mocho und Choshuenco (beide ca. 2.400 m), die für unsere Gruppe auch auf dem Tourenplan stehen. Leider wird uns die nahegelegene Zufahrt durch den privaten Huilo Huilo Park nicht gestattet, sodass diese Berge nur etwas umständlich über die gegenüberliegende Seite erreicht werden können. Zum Besteigungsversuch entschließen sich diesmal nur unsere 5 stärksten Geher Pete, Roger, Markus, Luggi und Stefan, da an diesem Tag noch eine lange Weiterfahrt nach Puerto Varas am Programm steht. Aufgrund einer raschen Wetterverschlechterung müssen sie die Tour leider im dichten Nebel ca. 400 m unter dem Gipfel abbrechen.


Aufstieg zum Mocho
Aufstieg zum Mocho

Finale im Süden

Abends treffen wir uns alle wieder im ca. 300 km entfernten Puerto Varas, wo wir perfekt im Hotel Weisserhaus untergebracht werden. Das schön am riesigen Lago Llanquihue gelegene Städtchen bildet den Ausgangspunkt für unser letztes Tourenziel, den besonders formschönen Vulkan Osorno. Zuerst genießen wir aber nochmals einen Rast- und Besichtigungstag, den wir zum Besuch der Hafenstadt Puerto Montt nutzen. Der riesige aus mehreren Buchten bestehende natürliche Hafen bildet das Tor zu Patagonien, das sich von hier aus nach Süden bis Feuerland erstreckt.


In der Bucht von Puerto Montt
In der Bucht von Puerto Montt

Auf einem etwas außerhalb der Stadt gelegenen Strand spielen wir unsere bei Auslandsreisen traditionelle Watschele-Partie aus, das erste Wetter¬steiner-Match, das jemals direkt am Pazifik statt-gefunden hat. Diesmal haben die Alten die Nase vorn, es geht 2:0 gegen die Jungen aus. Ein köstliches Essen im benachbarten Strandrestaurant beendet diesen schönen Ausflug.


Die glücklichen Sieger am Pazifik
Die glücklichen Sieger am Pazifik

Der Osorno wehrt sich

Nun wird es aber ernst, ein Versuch auf den 2.620 m hohen Osorno muss am nächsten Tag noch unter-nommen werden. Wir fahren entlang des Sees zum gegenüber von Puerto Varas gelegenen Vulkan und können bis zum dortigen Schigebiet auf eine Höhe von 1.200 m hinauffahren.


Beim Nationalpark-Ranger
Beim Nationalpark-Ranger

Zuerst muss eine Registrierung beim Nationalpark-Ranger durch¬geführt werden, dabei wird auch kontrolliert, ob die erforderliche Ausrüstung mitgeführt wird. Für den Osorno ist die komplette Hochtourenausrüstung inkl. Seil und Gurt erforderlich, er ist sehr steil und ziemlich stark vergletschert. Unser einziger der spanischen Sprache mächtiger – Stefan – kann den Ranger über¬zeugen, dass wir als Bergsteigerverein alles dabei haben, die Rücksäcke müssen nicht geöffnet werden.

10 Wettersteiner gehen im aperen Lavasand los, die Schi müssen ca. 250 Hm bis zum Schnee getragen werden. Leider herrschen heute in allen Belangen schlechte Verhältnisse. Die Schneelage ist sehr dürftig, wo Schnee liegt, ist die Oberfläche vom Wind vereist und glasig, sodass die Harscheisen nur sehr schlecht greifen. Der Wind und die Sichtverhältnisse sind ebenfalls miserabel. Wir legen ca. 550 Hm bis zum ersten steilen Aufschwung zurück. Nach kurzem Kriegsrat entscheiden wir uns zum Umdrehen: Man könnte bei diesen harten Verhältnissen nur mehr mit Steigeisen und Pickel auf- und absteigen, mangels Sonne ist kein Auffirnen zu erwarten. Dazu kommt die beachtliche Steilheit von bis zu 45 Grad im Gipfelbereich – keine guten Vorzeichen für einen Gipfelerfolg.


Umkehr am Osorno
Umkehr am Osorno

Wir rutschen mit Schi über die vereisten Hänge wieder herunter und gelangen nach dem Abstieg über den schmutzigen Lavasand zu unseren Autos und Kameraden. Nach einem Getränk geht es zurück an den See, von wo sich nun der Vulkan für kurze Zeit bis zum Gipfel blicken lässt. Sowohl die Steilheit wie auch die Gletscherspalten und Seracs sind beindruckend anzuschauen.


Der beeindruckende Osorno
Der beeindruckende Osorno

Ein Traumreise geht zu Ende

Nach einem letzten Abend in Puerto Varas fliegen wir tags darauf mit LATAM nach Santiago, wo wir unsere letzte Nacht in Chile im nahe am Flughafen gelegenen Hotel La Quinta verbringen. Inzwischen sind auch die vermissten Schi wieder aufgetaucht, sie wurden – zur allgemeinen Belustigung – im Hotel abgeliefert.


... von Puerto Varas mit Badenixe
... von Puerto Varas mit Badenixe

Einige von uns besichtigen abends noch das Zentrum der Hauptstadt Santiago, während der Rest die Annehmlichkeiten des Hotels und seines Restaurants genießt. Air France bringt uns am letzten Tag über Paris nach München, wo wir in bewährter Manier von Markus Ruef mit seinem Bus abgeholt und nach Innsbruck gebracht werden.


Wettersteiner in Santiago de Chile
Wettersteiner in Santiago de Chile

Die 16-tägige Rundreise führte uns über rund 1.300 bis 1.400 Kilometer durch die landschaftlich schönen Regionen Araukanien, Los Rios und Los Lagos. Sowohl Straßen, Hotels, Gastronomie und die weitere Infrastruktur sind hier sehr gut und entsprechen nahezu mitteleuropäischem Standard. Die Chilenen selbst sind besonders freundlich und hilfsbereit. Dazu durften wir beindruckende Schitouren erleben, bei denen viele, aber nicht alle Gipfel immer gelungen sind. Der Abenteuerfaktor war jedenfalls bei jeder Tour sehr hoch, auch die chilenischen Schneestürme und Dschungeltouren werden uns in lebhafter Erinnerung bleiben. Eine außergewöhnlich schöne Vulkanreise reiht sich damit in die vielfältige Serie der Auslandsbergfahrten der Wettersteiner ein.


Ein letzter Blick auf unsere verschneiten Vulkane
Ein letzter Blick auf unsere verschneiten Vulkane
Alle 19 Chilenen vor dem Hotel Weisserhaus
Alle 19 Chilenen vor dem Hotel Weisserhaus

Author: Helmut Aschauer

Fotos: Wettersteiner

 
 
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Alpine Gesellschaft Wettersteiner Innsbruck

Ski- und Bergtourenverein, Untergruppe des Alpenvereins Innsbruck

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