Aufstieg, Pantenbrugg
Ausblick von der Friedolinshütte
Aufstieg durch den oberen Bruch
Bruno im Bruch
Am Gipfel des Piz Russein
Aussicht auf die Aufstiegsroute
Abstieg durch den oberen Bruch
Abfahrt durch den Gletscherbruch
Der Meister!
Hüttenrast - fast beim Auto

Tödi - König der Glarner Alpen

 

 

Staggl Bruno, 24./25. April 2009

Ein großartiges Tourenziel ist geplant, der Tödi, der höchste Berg der Glarner Alpen, ein eindrucksvoller Gebirgsstock aus Fels und Eis, der schon bei der Anfahrt gewaltig das Linthtal beherrscht. Zwei lange und anspruchsvolle Etappen sind es, um vom Ausgangspunkt auf 805 m über die Fridolinshütte auf 2.111 m den Gipfel mit 3.614 m zu erreichen.

Zu dritt, Hemmi Aschauer, Rainer Gschwentner und ich, machen wir uns Punkt 7:00 Uhr mit den bekannten Doblo-Reisen auf den Weg, bis Landeck komplettieren Heli Hagner und Marius Massimo die Truppe. Der Reiseveranstalter hat vorsorglich Bord-Bier eingekühlt, was die Fahrt verkürzen hilft. Nach dem Walensee biegen wir in das Linthtal ein und sind um 10:45 Uhr am Parkplatz in Tierfed.

Eine Seilbahn führt leider auf die falsche Bergseite. So kommen die Skier noch auf den schweren Rucksack, denn die erste dreiviertel Stunde geht es zu Fuß auf steilem Forstweg durch die Linthschlucht, durch einen Tunnel und über die Pantenbrugg. Großteils auf dem Forstweg erreichen wir Hinter Sand auf 1.300 m, die Alm im Talschluss und erste gemeinsame Rast bei einem Flascherl Bier, Toni W. verzeihe uns.

Jetzt wird es steiler, zuerst eine bewaldete Stufe auf rustikaler Spur hinauf ins Hochtal des Bifertenbach. Den weit ausholenden Normalweg sparen wir uns und gelangen über den steilen Osthang zur Hütte - bei warmem Wetter und zu dieser Tageszeit nicht ratsam. Aber es ist kühl, dünner Neuschnee liegt und von oben weht uns ein heftiger, kalter Wind entgegen. Nach 4,5 Stunden schnalle ich als letzter die Skier vor der Hütte ab.

Die Fridolinshütte ist eine reine Weiberwirtschaft mit Gabi als reizender Chefin und der immer freundlichen Sarah als Serviererin. Wir sind schon am frühen Nachmittag oben, die Hütte füllt sich langsam, ist aber nicht übervoll. Freitag als Anreisetag ist eine optimale Wahl. Der Abend ist lang und lustig, das Menü, das Adler Bier und der Wein sind ausgezeichnet, der Flüssigkeitsverlust wird sukzessive ausgeglichen. Um 11 Uhr ist Schluss.

Der Wind hat nicht nachgelassen, im Gegenteil in der Nacht wird er zum Höhensturm, dass die Läden wackeln und das WC außerhalb der Hütte nicht mehr gefahrlos zu erreichen ist. Der Wecker um halb Fünf wird ignoriert. Beim Frühstück um 6 Uhr sind alle ratlos, es stürmt weiterhin, Wolken hängen Richtung Tödi herab – also warten. Müssen wir abfahren? Um 7 Uhr sagen unsere zwei Meteorologen Hemmi und Massi nein. Sie wollen das von ihnen vorausgesagte gute Wetter erzwingen. Um 7:30 Uhr ziehen sie Richtung Gletscherbruch los, Rainer geht eher lustlos mit. Und der Wind lässt tatsächlich nach. Alle, die sich schon für die Abfahrt bereitgemacht haben, gehen ebenfalls los „schauen, wie weit sie kommen“, gegen 8:30 Uhr auch Heli und sein Jagdhundblick sagt mir, er will die drei noch einholen, was ihm bei Rainer auch gelingt.

Plötzlich bin ich allein (mit Rainers Saunapatschen) auf der Hütte, es ist windstill und der Himmel wolkenlos. Also los, hinüber zum Gletscherbruch, die Sonne scheint schon in die Spur. Und die Spur ist gut, es geht ohne Harscheisen. Noch im Schatten geht es auf schräger Rampe über den ersten Gletscherbruch, der zweite glänzt schon in der Sonne und wird im steilsten Stück mit den Steigeisen überwunden. Jetzt zieht der Gletscher in mehreren Aufschwüngen hinauf, nicht allzu steil, nicht allzu viel Wind, sonnig – eigentlich angenehm, nur die Höhe und der Rucksack drücken. Das Höhersteigen ist kurzweilig, das Gelände abwechslungsreich, immer neue Ziele tauchen auf, mehrere Gruppen sind unterwegs. Und so gelange ich bis auf 3.400 m, als mir meine vier Gefährten vom Gipfelgrat entgegenkommen. Sie brauchen mich für die letzten 200 Höhenmeter nicht lange zu überreden, ich lasse den Rucksack bei ihnen und ohne geht es leichter, in einer halben Stunde bin auch ich am höchsten Punkt des Tödi-Massivs, dem Piz Russein, auf 3.614 m. Alle fünf Wettersteiner haben den Gipfel erreicht. Die Rundsicht ist gewaltig, von der Bernina bis ins Berner Oberland. Hemmi und Massi warten auf mich und fahren schön langsam mit mir ab, denn ich bin ziemlich fertig und mein Fahrstil ist schwerfällig. Die Schneerus, die steile Rinne zur Umfahrung des zweiten Gletscherbruchs ist gut befahrbar, wir nehmen trotzdem die Route über den Gletscherbruch. Bis dahin geht es ganz gut in schwerem Pulver. Die weitere Abfahrt wäre ohne den Neuschnee eine wunderbare Firnpartie gewesen, was wir an den freigefegten Stellen ahnen konnten. So bremst uns die Neuschneeauflage ziemlich her. Heli und Rainer sind vorausgefahren, Helis Eispickel ist auf der Hütte zurückgeblieben und Rainer muss sich nochmals von der Gabi verabschieden. Die zwei Unverbesserlichen nehmen noch zwei Flaschen Adler Bier mit und überraschen uns damit auf Hinter Sand, wo sie auf uns warten. Weiter mit den Skiern bis auf 1.050 m, dann wieder zu Fuß, und um 17 Uhr lasse ich als letzter meinen Rucksack beim Auto auf den Boden fallen. Das Bordbier von Doblo-Reisen ist noch kühl und schmeckt ausgezeichnet.

 

Ein Riesenschnitzel auf der Schattenburg in Feldkirch und um 21:30 Uhr fährt Hemmi in Völs ein. Eine gelungene, beeindruckende Fahrt ist zu Ende.

 

 

 

 

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