Genug Schnee auf dem Plaeggn-Plateau

Die Tilisunahütte
Lustig war's ...
und fein warm
Auf der Sulzfluh
Abfahrt durch den steilen "Rachen"
Schmackhafter Kaiserschmarrn auf der Lindauerhütte
Schitragen auf dem Weg zur Geißspitze

Abfahrt von der Geißspitze

Aschauer Helmuth, Jänner 2016

DAGT 2015 - Quer durchs Rätikon 

Der heurige Winter macht es uns dieses Jahr wirklich nicht leicht, hat er doch mit Schneeflocken bisher sehr gespart, Schitouren sind in Tirol fast nur auf beschneiten Pisten möglich. In diversen Foren habe ich von etwas besseren Verhältnissen in Vorarlberg gelesen, so fällt die Wahl auf das wunderschöne Rätikon.

Sieben Teilnehmer haben sich entschlossen, bei diesem Abenteuer mitzumachen: Luggi, Rainer, Reini, Mario, Bernhard, Markus und ich selbst reisen mit 2 Autos am 28.12. um 6:45 nach Vandans im Montafon. Wir parken bei der Talstation der Golmer Bahn und nehmen den öffentlichen kostenlosen Schibus nach Gargellen, das den Ausgangspunkt für unsere Tour bildet. In Gargellen heißt es aber tief in die Geldtasche greifen, um 25 Euro pro Person lassen wir uns mit der Schafbergbahn auf 2.200 m befördern. Nach einer Stärkung auf der Terrasse des Restaurants „Schafberghüsli“ verlassen wir das Schigebiet Richtung St. Anthönier-Joch, der Pistenrummel wird gegen herrliche Ruhe und fast unberührte Weiten eingetauscht.

Die Schneelage ist überraschend gut, es sieht hier richtig winterlich aus. Den Riedkopf (2.552m) nehmen wir auf dem Weg mit, dann geht’s hinunter auf die Schweizer Seite Richtung Plasseggen-Plateau, das über das steile „Engi“ erklommen werden muss. Am Plateau rasten wir bei einer Holzhütte, die Tour ist aber noch lange nicht zu Ende. Der Weiterweg führt über den Plasseggen-Pass zurück nach Österreich und dann noch entlang des Rätikon Höhenwegs über einige sehr mühsame Auf- und Abs bis zur Tilisuna-Hütte (2.211 m). Für diese Strecke von rund 10 km benötigen wir fast 5 Stunden, erschwerend kommen die mit Speis und Trank gefüllten Rucksäcke hinzu.

Der Winterraum auf der Tilisuna-Hütte erweist sich als 5 Sterne S-Unterkunft. In der geräumigen Küche gibt es elektrisches Licht, einen super Herd mit genügend kleingehacktem Holz, zwei getrennte Schlafräume sowie ein Plumpsklo. Wir richten es uns hier gemütlich ein, bald glüht der Ofen und die ersten Suppen werden zubereitet. Das mitgebrachte Bier schmeckt bestens, zum Hauptgang (Spaghetti mit Sugo) wird Wein gereicht. Luggi, der heute Geburtstag hat, zaubert aus seinem Rucksack sogar 7 Jägermeister-Fläschchen hervor, da sitzt der Schraubverschluss schnell auf unseren Nasen. Aufgrund seines eigentümlichen Bartschnittes bekommt er den Spitznamen „Hassprediger“ verpasst, was den ganzen Abend für viel Gelächter sorgt. Als Nachspeise stehen Lebkuchen und Jagatee zur Auswahl, letzterer erfordert von einigen noch Bearbeitung bis in die späten Nachtstunden.

Am Morgen empfängt uns wieder strahlender Sonnenschein, nach dem Aufräumen des Winterraums starten wir um 10:20 Richtung Sulzfluh (2.818 m). Über karstige Landschaft streben wir diesem mächtigen Gipfel zu, in gut 2 Stunden sind alle sieben beim riesigen Kreuz angelangt. Die Fernsicht reicht von den Glarner Alpen über Bernina und Silvretta bis zur Wildspitze, es ist nahezu windstill, wir genießen die Gipfelstunde ausgiebig.

Nun steht uns der schwierigste Teil der Tour bevor, die steile nordseitige Abfahrt von der Sulzfluh durch den sogenannten „Rachen“ zur Lindauer Hütte. Mit Rachen ist dieses Steilkar exakt charakterisiert, hier geht es über mehrere hundert Höhenmeter in einer Steilheit von ca. 35 Grad hinunter. Leider hat der Wind hier ganze Arbeit geleistet, so ist der Schnee teils sehr hart. Höchste Konzentration ist angesagt, ein Sturz im Rachen kann bei diesen Verhältnissen sehr böse ausgehen. Alle kommen gut herunter, die Schneelage erlaubt eine Abfahrt bis auf 1.900 m. Den letzten Teil des Abstiegs, der durch einen mit Latschen bewachsenen Vorbau in den Talboden führt, tragen wir unsere Schi am Rucksack. Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir die gemütliche Lindauer Hütte, die im Winter bewirtschaftet ist. Hüttenwirt Thomas staunt nicht schlecht, als er erfährt, von wo wir kommen.

Der zweite Hüttenabend ist wiederum sehr gemütlich, das Halbpensionsmenü schmeckt super. Wir bleiben diesmal nicht mehr so lange auf und überziehen die für 22 Uhr festgelegte Hüttenruhe nur geringfügig.

Am Tag 3 werden die Schi gleich auf den Rucksack geschnallt. Wir steigen südseitig auf die beinahe apere Geißspitze (2.334 m), die wir nach 1:20 erreichen. Wir haben von hier beste Aussicht auf den Rachen, den wir am Vortag durchfahren habe. In der frontalen Ansicht sieht er noch grimmiger aus. Nun führt der Weiterweg wiederum durch eine Schlüsselstelle, die schneereiche Nordseite fahren wir über einen Steilhang ab. Nach einem weiteren Gegenanstieg erreichen wir den nun sanfter werdenden Gratverlauf, über den wir schließlich die Bergstation des Schigebietes der Golmer Bahn erreichen. Wir stärken uns nochmals auf der Terrasse des Schirestaurants, dann plagen wir uns über die pickelharte Kunstschneepiste hinab zur Mittelstation. Hier ist endgültig Schluss mit Schifahren, die Gondelbahn bringt uns – diesmal kostenlos – zum Parkplatz zu unseren Autos.

Der Kreis hat sich geschlossen, drei ausgesprochen erlebnisreiche Tourentage liegen hinter uns. Wie schon bei vergangenen Dieter-Aschauer-Gedenktouren war es wieder die Mischung aus anspruchsvollen, einsamen Touren, toller Kameradschaft und geselligen Hüttenabenden mit jeder Menge Spaß, die das Besondere ausmachte – wir freuen uns alle schon auf die DAGT-Neuauflage 2016!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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