Bilder:

Schalfkogel
Kogsi – plant bereits für 2005
Knapp unterhalb des Gipfels der Anriss
Nach der Bachquerung – Abfahrt Richtung Vent

Schitour mit Hindernissen: Mittlerer Diemkogel

Klaus Fink

Am 17. April 2004 um 04:35 hole ich Rainer in Absam ab, dann wird noch Franz in Mils aufgenommen, so dass wir pünktlich um 05:00 Uhr beim Wettersteiner-Treffpunkt, dem Pradler Friedhof, eintreffen. Eigentlich eine unchristliche Zeit. Insgesamt sind heute sieben Wettersteiner mit dabei, darunter auch unser jüngstes Mitglied Staggl Bruno, der ja in der Monatsversammlung vom 15.04.2004 als Wettersteiner aufgenommen wurde. Um 06:20 sind wir bereits in Vent.

 „Die Bachquerung ist die Schlüsselstelle dieser Tour“

Bei einer kleinen Kapelle verlassen wir den Weg zur Martin Busch Hütte und steigen direkt hinunter zum Bach (Niedertaler Ache). Franz und Hermann berichten von einer abenteuerlichen Bachquerung über eine rustikale Brücke. Wir finden zwar die Stelle, wo die Brücke offensichtlich seinerzeit war, sie existiert aber nicht mehr. Die Reste (Seilverankerungen) sind noch erkennbar. Also wie kommen wir über die Schlucht? Wir gehen noch ein kurzes Stück talein, dort wo es das Gelände zulässt steigen wir direkt zur Bachsohle ab. Über eine Schneebrücke kommen wir problemlos über den Bach, die extrem steile orografisch rechte Uferböschung überwinden wir relativ schnell. Die Ski mussten allerdings ein paar Meter getragen werden. Oben angelangt erkennen wir, dass wenige Meter talein ein neuer Steg über den Bach führt. Unsere Variante war abwechslungsreicher.

Sowohl Kapelle und Steg sind in der AV Karte erkennbar und eingezeichnet. Über mehrere Steilstufen folgen wir nun den Sommerweg der Richtung Ramoljoch führt. Vereinzelt sind „Steinmandln“ zur Orientierung erkennbar. Ab HK ca. 2500 halten wir uns Richtung Diemferner.

Jetzt wird es zunehmend anstrengender. Der Neuschnee, der auch Spurarbeit (Hemmi, Kogsi, Rainer) erfordert, neigt zu starker Stollenbildung. Hier nützt nichts anderes als sich die Zeit zu nehmen und die Felle abzukratzen und mit Fellwachs zu behandeln. Das Wetter zieht sehr unbeständig herum, unser eigentliches Ziel, der Schalfkogel ist im Nebel versteckt. Auf HK 3000 wird die Gletscherausrüstung (Brustgurte und Sitzgurte) angezogen. Es erfolgt eine kurze Beratung, ob das angepeilte Ziel nicht abgeändert werden sollte. Bruno und ich sind eindeutig für die kürzere Variante auf den Mittl. Diemkogel. Weniger wegen der Wettersituation, sondern wohl mehr aus konditionellen Überlegungen. Eine „halbdemokratische“ Abstimmung ergibt die Beibehaltung des Zieles Schalfkogel.

Das Wetter verschlechtert sich zunehmend. Die eigentliche Spaltenzone liegt noch vor uns. Kurze Beratung in der „Führungsetage“, dann wird doch umgesattelt. Wir queren bei ca. 3.050 m rechts hinüber. Eine Steilstufe überwindend kommen wir auf das obere Plateau vom Mittl. Diemkogel. Bruno und ich lassen es ca. 120 m unterhalb des Gipfels. (3.220 m ). Immerhin sind wir nun 5 Stunden unterwegs. Wir beobachten Hemmi und Kogsi die voraus die Spurarbeit erledigen beim Gipfelanstieg. Die letzten HM ohne Ski. Wenige Meter unterhalb des Gipfels löst sich knapp oberhalb von Hemmi ein Schneebrett.

 „Lawinenabgang auf ca. 3300 m unterhalb des Gipfels“

Anriß ca. 35 cm auf eine geschätzte Länge von 15 m. Zum Glück können sich sowohl Hemmi und auch Kogsi aus den abgehenden Schneemengen zu einem kleinen Felskopf hinausretten. Franz, Hermann und Rainer waren etwas weiter zurück und außerhalb der Sturzbahn der Lawine. Kogsi verletzt sich geringfügig an der Hand (verstauchter Finger). Hemmi verliert bei dieser Aktion einen Ski. Hemmi hat Glück, bald findet er den verschütteten Ski. Nachdem diese Aktion gut ausgegangen ist, machen wir uns nach gemeinsamer Rast an die Abfahrt.

Im obersten Teil passabler, relativ schwerer Pulver. Auch im unteren Teil ist der Schnee annehmbar. Teilweise stark aufgeweicht, aber doch noch zum fahren. Wir queren noch den einen oder anderen Lawinenabgang, der beim Aufstieg noch nicht da war, und müssen erkennen, dass die Tageserwärmung und die Neuschneeauflage ein gewisses Risiko darstellt. Wir sind froh, als wir wieder beim Bach angelangt sind. Auch am Retourweg benützen wir die Brücke nicht und steigen über unsere alten Spuren wieder hinauf zum Weg der zur Martin Busch Hütte führt. Hermann erledigt diese ohne Felle, der Rest der Truppe fellt wieder auf. Über den Weg etwas mühsam hinaus nach Vent.

Nun beginnt der gemütliche Teil der Tour. Im GH Post beim Bergführer Lois Pirbamer lassen wir es uns gut gehen. Die Touransage unserer beiden „Oldies“ Hermann und Franz wird eifrig diskutiert. Eine kurze und spritzige Tour auf den Schalfkogel war angesagt, eine lange und anstrengende Tour ist es geworden. Es war wohl von Anfang an klar, dass es keine leichte Tour werden wird.

 „Kartenmaterial älter als Tourteilnehmer“

Das Kartenstudium zeigt, dass Franz mit seiner AV Karte „GURGL“ einen Bearbeitungsstand von 1949 vorzuweisen hat. Nur Hermann (Jg 1939) und Franz (Jg 1936) können diesem Bearbeitungsstand etwas abgewinnen, der Rest der Truppe war noch gar nicht auf der Welt. So wird eine Runde nach der anderen bestellt und alles Mögliche diskutiert und besprochen. Kogsi plant bereits für den 11. März 2005 eine gewaltige Ötztalertour (Langtaler Eckhütte – Hochwilde -…).

Wir staunen nicht schlecht, als unsere „Pensionisten“ mit modernster IT – Technologie aufwarten. Franz und Hermann mit neuesten Fotohandys in Farbe ausgerüstet lassen uns erstaunen. Die Porträts werden per SMS in alle Welt verschickt. Als Hermann allerdings zu eifrig fotografiert verliert er durch eine Fehlbedienung den Farbmodus auf seinem Display. S/W Fotografie macht bei weitem nicht so viel Spaß wie Farbfotografie. Hermann wird aufgemuntert, unter Nennung von 6 Wettersteinerzeugen, eine entsprechende Reklamation durchzuführen. Es könne doch nicht sein, dass die Farbpatrone in seinem Handy so rasch verbraucht sei.

Als sich noch die „Venter Legende“, der Chef des Hauses Lois Pirbamer, zu uns setzt, wird noch über die nunmehr 9 Jahre zurückliegende Bergung von Schappi und Kollegen erzählt. Um 19:30 nützt alles nichts, wir müssen aufbrechen. Ohne Probleme kommen wir sicher wieder nach Innsbruck zurück. Eine Wettersteiner Tour besonderer Klasse – 05:00 Uhr begonnen und 21:00 Uhr beendet – findet ihren Abschluss.

 

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