Bilder:

Die Unter der Woche Schönwettergeher
Ein herrliches Tal tut sich auf
Aufstieg im der Sonne
Am Gipfelgrat

Diese Traumtour kann dir niemand mehr nehmen

Eine Skitour für „Unter-der-Woche-Schönwettergeher“,
oder diese Traumtour kann dir niemand mehr nehmen,
oder eine „Typische-Hermann-Tour”

Heinz Neuner

Das Wetter verspricht für diesen Donnerstag traumhaft zu werden und das wollen wir nützen. Wir, das sind beim Treffpunkt in Innsbruck: Hermann, Hermi, Siggi und i. Der Start beginnt nicht traumhaft, denn als wir zu viert - also volles Auto - zum Bad’l kommen, steht Franz ohne fahrbaren Untersatz da. Also wieder zurück auf die Autobahn und Hermann holt seine Karosse in Innsbruck und meint: „Müssen mir halt schneller gehen”.

Es ist also schon ½8 in Hall, zwar schon Sommerzeit, aber im April darf es am Berg auch nicht zu spät sein, also ab ins Zillertal und weiter Richtung Gerlos, gleich bei der Kühlen Rast geht’s in den Schwarzachgrund. Soll ich eigentlich nicht verraten, denn diese Tour steht meines Wissens in keinem Führer. Wir nennen es Glück, denn der Schranken ist offen, kein Verbotsschild weit und breit und der Weg aper bis zur Abzweigung Schwarzachalm.

Ein paar Meter zu Fuß und schon können die Ski angeschnallt werden. Vor uns steigt das große Trogtal an, aber wir schwenken  gleich nach den Almhütten rechts in den Forstweg zur Oberen Schwarzachalm ein. Es öffnet sich ein Tal eingerahmt links vom Brandberger Kolm und rechts vom Seespitz, aber uns zieht’s links in steileres Gelände. Hermi hat bereits die Spurarbeit übernommen und folgt einer alten Spur, die findet aber keinesfalls die Zustimmung von Hermann. Es steilt sich immer mehr auf und da verschwindet die Spur dann auch in der linken Rinne in der ein alter „Rutscher” liegt. Ohne Harscheisen plagt sich Hermi ein bisschen, weil es unter der Pulverauflage ziemlich hart ist, aber bald ist der Ausstieg in das Schafkar geschafft.

Wir Fünf sind allein, die Sonne scheint in ein unverspurtes Kar, eine herrliche Gegend. Aber mir ist auch aufgefallen, dass Hermann schon zweimal in die Karte geschaut hat und obwohl das seine Lieblingsgegend ist und er schon früher anscheinend da war, wie er gesagt hat, weiß er nicht ganz genau wie wir nach dem nächsten Steilhang am Besten gehen sollen. Links oder rechts? ruft unser „Spurer” herunter. Hermann nimmt den 50:50 Joker und meint: Rechts ist immer gut. Nach ca. 1.250 Hm Aufstieg erreichen wir ein kleines „Bödele” und Franz biegt zum Gamskopf 2.643 m ein und meint zu Hermann: „Den nemmen mir decht a no mit”. Hermi ist schon am Skidepot vom „Falk” und so folgt auch Siggi und i zum Äußeren Falk 2.668m. Die Aussicht gegen Süden ist fantastisch, nur aus dem Zillergrund steigt leichter Nebel auf, macht nichts, es gibt so auch genug zum Schauen. Zum Norden hin sehen wir zum Kreuzjoch, dem Skigebiet der Zillertal Arena. Da haben wir vor knapp zwei Wochen unser Wettersteiner Skirennen abgehalten und Hermann hat natürlich die Umgebung begutachtet und dieses Tal zum Tourengehen für gut befunden. Er ist halt ein alter Fuchs fürs nicht Alltägliche.

Als die „Gamsköpfler” unseren Gipfel ansteuern, verlassen Hermi und Siggi das Skidepot und machen es den anderen Zweien gleich. Mir reicht ein “Falk”, man muss ja nichts übertreiben. Nach kurzer Pause gibt’s kein Halten mehr und was jetzt folgt, kann sich jeder Tourengeher sicher vage vorstellen. Blauer Himmel, glitzernde Sonne, allein vor endlosen Hängen, Pulvertraum, Traumspuren, es ist zum ausflippen. Ich mach zwar Fotos, aber diese Eindrücke kann kein Foto wiedergeben. Es ist schon fast kitschig, denn auch die untere Steilstufe ist super griffig, obwohl die Pulverauflage in die Rinne abgerutscht ist und dann geht’s unten fast nahtlos in Firn über. Der Forstweg ist dann etwas tief, aber man kann ja fahren und vor dem geistigen Auge taucht auch dieses „Gelbe mit Schaum” auf, es ist nicht mehr weit.

Zwei deutsche Wanderer sagen uns am Talboden, dass die Alm offen ist und man dort gut essen kann. Wir wollen uns natürlich nicht den „Almfluch” zuziehen und womöglich nicht einkehren. Es sind auch nette Wirtsleute, vor der urigen Alm fein zum Sitzen und die Pressknödelsuppe („Zerggl”) und Zillertaler Weizenbiere schmecken uns sonst auch immer, aber hier besonders. Außerdem kennt sich der Wirt in der Gegend gut aus und weiß die Fahrmöglichkeiten in die einzelnen Täler, meist verboten oder gesperrt. Auch dieses Tal hat einen strengen Jäger und die Forstverwaltung sperrt auch immer die Schranken zu, meint er. Ist gut, dass wir eingekehrt sind, denn zwei massive Vorhängschlösser verhindern die Heimreise und Hermann bleibt nichts anderes übrig, als den Schlüssel auf der Alm zu holen.

Der guten Stimmung tat das aber keinen Abbruch, es war ja eine Traumtour, eine “Typische Hermann Tour” und wir hoffen wir können noch viele solche machen.

 

 

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