Das Objekt der Begierde!
Schrecken Nr. 1
Schrecken Nr. 2
Schon der Aufstieg verspricht herrlichen Firn
Verliebt-Verlobt-Verheiratet?
Maros im Gipfelhang
Unbedingt notwendig!
Nur noch wenige Meter bis zum Gipfel
Hermann, du bist Spitze!
Gsallkopf - viel Platz ist nicht
Vier begeisterte Bergfreunde
Beim Skidepot warten Anna und Andi
Mit dem Seil gehts leichter nach unten
Zurück vom Berg der Berge!
Fantastisches Firngelände
Unser jüngster Stinker
Feschmachen für den Kirchenwirt!

Gsallkopf - Berg der Berge!

 

Gschwentner Rainer, 24. April 2011 

 

Grenoble, Frankreich,  17. April 2011. Die Wettersteiner befinden sich auf der Heimreise von der Pyrenäen Auslandsfahrt und sind schon wieder bereit  für neue Abenteuer.  Im vorderen Teil des Busses – dort sitzen nämlich die älteren Vereinsmitglieder -  hört man nur „ i mag nimma, i gea jetzt nur mehr radln – die Saison ist glofn!“ Nicht so aber bei uns Jungen. „Irgend a geiles Ziel brauch ma heia nua!“ – „ Berg der Berge – Gsallkopf – das wär noch was gscheites, weil joa no nit  alle obn worn“.

Donnerstag Abend,  21. April, Vereinsabend im Garten vom Sailer: Tourenvorschlag für Samstag: Gsallkopf, Kaunertal, 3277 Meter!

Am Freitag verschicke ich noch einige SMS an Freunde der Wettersteiner mit folgendem Inhalt:  Wochenendskitour mit den Wettis, Ziel: Gsallkopf – Berg der Berge, mitnehmen Stirnlampe, Steigeisen und Pickel, verspreche viel Abenteuer und tollen Firn!

Wir treffen uns am Samstag, 23. April um fünf Uhr Früh am Pradler Friedhof; wir sind zu neunt – darunter auch die „hübsche“ – wirklich! -  Anna,  die Freundin von Felder Reini. Wild Hermi holen wir noch in Telfs ab und Marius steigt in Landeck in die Runde ein.

Um sechs Uhr fahren wir ins Kaunertal ein, kurz vor Feichten biegen wir links ab zum Marienwallfahrtsort Kaltenbrunn. Bei der Auffahrt läuft uns noch ein Eichhörnchen über den Weg,  worauf Anna (sitzt in meinem Auto) meint, daß Eichhörnchen von links Glück für den Tag bringen. Mal schaun wie lange das Glück heute hält, wolkenlos ist es auf jeden Fall.

Mit dem Glück ist es aber bald schon vorbei.  Der 1. Schrecken fährt uns in die Glieder. Kurz nach Ende der Asphaltstraße ist die Forststraße mit einer niegelnagelneuen Kette versperrt. „Des woar das letzte moal no nit“ meint Marius. Was tun jetzt??? Alternativziele wie Glockturm, Weisseespitz, usw. werden genannt.

Anna, die im Wagen sitzen geblieben ist und sich der lebhaften Diskussion nicht anschließen will, schreit zu Reini, ob man nicht die Kette öffnen könnte. Gesagt getan; Reini und GoGoBerni lockern das funkelnde  Ding und schon liegt es  am Boden. Offenbar hat der Agrarier vergessen die Kette abzusperren. Yes we can! schreit einer der Wettersteiner.

“ Aufikemmen tuan mia jetzt  auf  jeden Fall“  - meint daraufhin Berni. „Hoffentlich a wida oa“ denk ich mir.

Die drei Autos fahren über die Kette  und weiter geht’s bergaufwärts auf ca. 1900 Meter.

Ein schöne Wiese dient uns dann als Ausgangspunkt. Um kurz nach halb sieben  raus mit dem Rucksack, der mir heute sehr schwer vorkommt.  Ich schaue mal genauer nach und finde drei leere Mineralwasserflaschen und einen Fön – aber das ist eine andere Geschichte!  Nach einem 20minutigen  Fußmarsch erreichen wir den Einstieg zum Stollen (Stirnlampe!). Schon beim Anmarsch wundere ich mich, warum heute soviel Wasser durch die Kanäle fließt.

Der 2. Schrecken!  - liebes Eichhörnchen bist du doch von rechts gekommen oder kennt sich unsere hübsche Anna in der Tierwelt doch nicht so gut aus.

Der Stollen ist vergittert, daraus fließt das Wasser ca. 30 Zentimeter hoch, wir haben keine Chance zum Einstieg.  Auch der Anna fällt dazu nichts mehr ein. Offensichtlich haben die Bauern das Wasser schon aus dem anderen Tal umgeleitet. Mit dem konnte man nicht rechnen.

Von Neuen beginnt die Diskussion: Glockturm, Weisseespitze, usw. …… Ich als Chauffeur fahre jedenfalls nicht wieder hinab ins Tal und dann Richtung Gletscher. Ich habe ein anderes Ziel und das heißt  heute Gsallkopf! Es muß doch einen anderen Weg  geben. Ja obendrüben, meint Marius. Auf der Karte suchen wir uns dann den Weg Nr. 6, der uns dann in ca einer Stunde  – vorbei an Steinböcken – bergauf und bergab nach Gallrutt führt.

Um acht Uhr  schnallen wir dann endlich die Schier an. Ich bin mit Hermann und Gerd der letzte der los geht. Eh schon wissen, breite Streuung der Tourengeher im Tal – jeder kennt eine bessere Aufstiegsvariante! Unter diesem Verstreuen leidet offensichtlich Gerd, den wir erst am Nachmittag wiedersehen. Er hat uns mangels Masse aus den Augen verloren, was ich aber bis jetzt nicht verstehe.

Aufwärts gehts, über pickelharte Firnhänge, es wird noch einmal gewartet bis der letzte Mann (Buratti!) da ist. Wo ist der Gerd. Wois i nit? I habn nimma gsehen. Was tun? anrufen? Reini probierts – leider nur die Mobilbox! Plötzlich sieht Marius Gerd auf der anderen Seite des Tales auf einem kleinen Gipfel. O.K. er l…,  is halt irgendwie bled  glaufen.

Wir gehen weiter durch traumhaftes alpines Gelände, teilweise in der Sonne, aber meistens im  Schatten. Die Verhältnisse sind super und  versprechen  super  Firn. Weit voraus ziehen Maros und Hermi die ersten Spuren in sehr steile Hänge. Berni (GoGo!) hat seine Harscheisen in Oberperfuß gelassen – da gehören Sie ja auch schließlich hin – und tut sich heute  sehr schwer.

Auf einen Höhe von ca. 2900 ziehen dann sogar Massi, Kogsi, Andi und der Rest der Mannschaft die Steigeisen an, da es pickelhart ist und das Gelände sehr steil ist.  Anna, Reini und ich kommen über diese Stellen ( ca. 50 HM)  mit den Harscheisen.

 

Da steht er nun – in all seiner  Pracht – oh du mein Gsallkopf – Berg der Berge! – Einmal hast du mich schon abgeworfen wegen zuviel Neuschnees  - es war der 23.4.2005, also taggenau vor 6 Jahren  – wenigstens ist damals ein gscheites Foto (Wettersteinerjahrhundertschrift!) raus gekommen.

 

Jetzt  bin ich wieder da und heute stehe ich auf DIR!

 

Manche zweifeln am Objekt der Begierde – „da kemmen wir ni aufi“  – aber Marius ist optimistisch und powert uns zum Skidepot.

Es geht noch ca. 200 Höhenmeter bis zum Skidepot, wo Hermi und Maros schon einige Zeit sitzen. Auch diese zwei zweifeln ein wenig angesichts der Steilheit und Wuchtigkeit mit der die Flanke vor uns steht.

Steigeisen anziehen, Pickel aus dem Rucksack und wir marschieren los. Der erste  ist natürlich Marius, der ein Seil mitträgt, was sich beim Abstieg als Goldeswert erweisen sollte.

Rauf geht’s, perfekte Verhältnisse, super Stapfspuren, nur nicht lange links, rechts oder runterschauen und vor allem nicht runterfallen.

Wir klettern ca. eine halbe Stunde durch steile Rinnen dem Himmel entgegen. Rechts und links pfeit‘s ganz schön hinunter, aber alle sind jetzt auf den Gipfelsieg  fokusiert. Konzentrieren und viel Schnaufen. Marius ist der Erste oben und empfängt uns mit einem Juchaza.!

 

Wahnsinn – ich hab‘s geschafft! Ich habe sehr wenig Platz hier heroben. Vorkommen tue ich mir wie auf einer Hennenleiter nahe dem Himmelstor. Nach und nach kommen alle meine Bergkameraden daher: sogar Hermann läßt sich diesen Gipfelsieg nicht entgehen. Bravo Hermann! Du bist wieder der Alte.

 

Der Ausblick ist überwältigend. Nur Gletscher,  blauer Himmel und Berge soweit das Auge reicht. Alle sind glücklich und beeindruckt.  Es werden Fotos geschossen und die Wettersteiner verewigen sich mit „Pickerle“ im zerflederten Gipfelbuch. In den letzten Tagen waren Einige hier  heroben.  Dies spricht auch für die perfekten  Verhältnisse.

 

Nach ca. einer halben Stunde gilt die volle Konzentration jetzt dem Abstieg. Aber mit dem Seil geht’s leichter. . …Nur nicht fallen, den sonst ist’s vorbei mit dem  schönen Wettersteinerleben.

 

Nach einer Stunde sind auch die letzten wieder am Depot angelangt und jeder ist glücklich. Diverse kleine Bierchen, Mars, Riegel und Energydrinks (Burn, RedBull, usw…) werden die Runde gereicht. Maros blickt sich öfter’s  um, schüttelt noch immer ungläubig mit dem Kopf, und sagt in seinem gebrochenen slowakischnordundsüdkoreanischlateinischdeutsch – entschuldige Maros! Du bist ein Hammer - dann: „Jetzt weiß  ich warum ihr dazu BergderBerge sagt“.

 

Runter nun vom Berg – inzwischen hatten wir Kontakt mit Gerd, der schon beim Auto sitzt – hinein ins pure Firnvergnügen. Genial die steilen Hänge. Ist ja fast wie am Aneto – traumhafter 2 cm Firn über nicht enden wollende Steilhänge bis auf ca. 2000 Meter.

Dann müssen wir wieder die Ski aufschnallen.: Wir reden uns stark für den mühsamen Weg zurück: „Zu einer ordentlichen Frühjahrsskitour muß man die Ski mindestens 1 Stunde tragen“ lautet das Motto von GoGoBörni.  Ungefähr eine  Stunde dauert leider doch die Tragepassage und dann sind wir wieder beim Auto angelangt.

 

Raus aus den Schuhen – kurz Fönen – Danke Tobias! – und neue Ziele besprechen.  Dieses ist schnell mit dem KIWI in Feichten auserkoren. Heute haben die Wettis Schnitzeltag und Reini freut sich auf ein Bierchen ( es können ja auch zwei oder mehr werden) nach 40 tägiger Fastenzeit.

Zuvor wird noch einmal das vermeintliche  Hinderniss mit der Kette – wahrscheinlich von einem  frustrierten,  geldgierigen  Agrarier – zerlegt,  alle fahren durch und der alten Zustand wird wieder hergestellt. Und keiner hat‘s gesehen ……

Endlich  Feichten, KIWI:  Schnitzel, Pizza, Stieglbier und natürlich eine  superextra Portion Pommes (3x dürft ihr raten, für und von wem!) werden genossen.

Um fünf Uhr wird die letzte Runde kleine  Bier bestellt, denn schließlich müssen ja noch drei Autos nach Hause gebracht werden.  Ich entlasse Anna und Reini um ca. 18:30 am Absamer Friedhof in ihr ganz persönliches Osterwochenende („Schatzi drink no a kloans Bier, dann hab i es heit Abend fein…..)

 

Wettersteiner – und die es noch werden wollen – Reini es wird Zeit für einen Aufnahmeantrag -  ich bin  stolz auf Euch!

 

Hardfacts: Aufstieg ca. 1400 Hm, Geh-, Trage- und Kletterzeit bis zum Gipfel ca. 5 Stunden.

BergderBergeBesucher: Wild Hermi, Buratti Hermann, Hammerer Gerd, Kogler Josef,  Erhart Andi, Marius Massimo, Bernhard Goriup, Gschwentner Rainer, Maros,  Felder Reinhard und Anna!

 

Resüme des Tages: Es war bestimmt nicht die letzte Tour in diesem Winter!

 

 

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