Das Ziel - Aufstieg vom Ridnauntal
Schneearmer Winter??
Querung im noch jungfräulichen Gipfelhang

Kleiner Mann - ganz groß!
Heimat bist du schöner Söhne!
Unbeschreiblich


Schaut nicht gut aus Sonja!

Die Wetterspitz(e!)tour

 

Bernhard Schösser, 20.02. 2011

Zum Treffpunkt der „offiziellen“ Wettersteiner Schitour an diesem Wochenende (ja der Tourenwart war mit!!) kommen dieses Mal weniger Teilnehmer als erwartet: 6 Mitglieder der AGWI sowie 2 Gäste! Liegt es an der für einige unchristlichen Uhrzeit (Tourenwart Rainer hat 08.00 Uhr angeschlagen)  oder erfreut sich die Gruppe der „Calvinisten“, auch „Lutherische“ genannt, um den bekennenden Spätaufsteher Baumeister W.E. weiteren Zulaufes?

Uns ist das erstmal egal, ab in die 3 Autos und rauf auf den Brenner, hinten wieder runter und zum Tourenausgangspunkt am hintersten Ende des Riednauntales, unweit entfernt vom Bergbaumuseum und der Erzaufbereitungsanlage in Meiern. Die Ausgangshöhe knapp über 1.400 Meter, die Temperatur für diesen Winter eher ungewohnt kalt: - 3,5 ° C.

Wir diskutieren kurz über den geplanten Aufstieg, dieses Mal muss weder ein Sportgeschäft noch der lokale Bäcker zwecks Tourenplanung konsultiert werden, und los geht es über eine angeschneite Wiese Richtung Felswand. Der Ausblick auf diese, absolut schneefrei und in der prächtigsten Frühjahressonne, lässt im mir leichte Zweifel hochkommen, ob es denn hinter der Wiese überhaupt genug Schnee gibt. Doch: Überraschung – bereits hier am Forstweg müssen wir quasi „spuren“, niemand war hier in letzter Zeit auf Schitour. So geht es, akustisch begleitet von den Schussgeräuschen der im Tal agierenden Biathleten, relativ angenehm über den Forstweg und gelegentliche Lawinenreste die ersten 500 HM hoch. Auf einer kleinen Alm erblicken wir dann unseren anvisierten Gipfel – die Wetterspitze.

Die Hänge dorthin – absolut unberührt! Also wird weiter brav gespurt, wobei sich Gast Holzmann Manni und ich hauptsächlich die Spurarbeit teilen. So kommen wir nun schneller in die Höhe als am Forstweg, und stehen bald ca. 300 HM unter dem Gipfelkreuz. Es wird kurz über die weitere Route diskutiert, und wir entscheiden uns rechts unter einen Grad einzuqueren, um dann über den Grad hoch zu steigen. Dies hauptsächlich deshalb, da der mächtige und relativ steile Haupthang unberührt ist. Somit denkt Tourenwart Rainer hautsächlich an unsere Sicherheit, ich jedoch auch schon an die Lines der Abfahrt….

Der Grad meint es gut mit uns, erinnert er uns doch mit harschigen Platten und mit Felsbrocken durchsetztem Schwimmschnee an die aktuellen Verhältnisse in unserer Heimat und lenkt uns vom hier herrschenden „Megapowder“ ab! Mit kurzer Tragepassage und anschließender Balance-Übung über Harschplatten kommen wir endlich auf die bereits bestehende „Hauptspur“ all jener, die von der anderen Seite, also vom Pflerschtal, herauf kommen. Das sind einige, doch insgesamt hält sich der Andrang auf die Wetterspitze an diesem Tag erfreulicherweise in Grenzen.

Ca. 50HM unter dem Gipfel machen wir unser Schidepot, um die restlichen Meter hinauf zu klettern. Das teilweise im wahrsten Sinne des Wortes, da es einige steile Stufen zu überwinden gibt. Nach 3 Stunden und 10 Minuten reiner Gehzeit stehen wir am Gipfel. Die Freude ist so groß, dass ich unbeabsichtigt auf dem schmalen Gipfel einen Stock von Rainer in den Gipfelhang versenke. Rainer versucht ihn zu bergen, doch mit Hinweis auf die werdende Witwe Gschwentner kann er doch noch von dieser Idee abgebracht werden, pfeift der Gipfelhang doch dahinter ordentlich hinunter. Wie immer bei den Wettersteinern naht ein Gewitter, und wir entschließen uns rasch ab zu fahren, um ein sicheres Gasthaus auf zu suchen!

Nun borge ich Rainer einen meiner Stöcke, und darf in Folge die „Arlberger Einstocktechnik“ zum Besten geben. Bevor dass jedoch eintrifft, begegnet uns ein Vereinskollege mit untypischem Tiroler Dialekt: Markus Graser mit Kollegen kommt den Gipfelhang herauf, aber auch von der anderen Seite. Im Schidepot werden noch 2 bayerische Gäste „gepflanzt“, bevor es zur Abfahrt geht. Den Gipfelaufbau hinunter zum Grat, und nun stehen wir vor unserem „Megahang“. „Einzeln Abfahren“ lautet die Devise, und bald schon stellt sich heraus, was wir gehofft haben: hält und bietet Schigenuß pur! So geiern wir herunter, und freuen uns über dieses wirklich unglaubliche Erlebnis, die kompletten Hänger unverspurt genießen zu dürfen!

So ist dann auch der letzte Teil des Forstweges schnell abgefahren, eine kurze Diskussion, ob wir am Weg weiter oder einen schmalen Durchlass bei einem Zaun befahren sollen („der Eichinger tat da nit durchpassen!“) ist schnell erledigt, und so kommen wir gegen 14.30 Uhr wieder zu den Autos.

Mittagessen gibt es im erprobten Hotel „Schneeberg“ und als wir beim Fester hinaus schauen, erblicken wir die gut behütete Glatze eines weiteren Wettersteiners: Schwitzkabinenerfinder Luis sitzt mit seinem Bruder in der Sonne, die beiden waren auf der „Zünderspitze“. Die Verpflegung ist erstklassig und bald erreicht uns eine Nachricht der Calvinisten: ein Schluckerl im Olympia steht an. Manni muss aber trotzdem nach Hause (Geburtstagsfest-Einladung), und so übersiedle ich ins Auto von Tourenchef Rainer. Im Olympia („Ahh, Wettersssttteeeinnner!“) treffen wir zwar keine Wettersteiner mehr, dafür aber eine Abordnung vom „Verein der Vereinslosen“, die am „Zinseler“ waren.

2 weitere Flaschen rotes Saftl werden vom Seppl und mir bestellt und bezahlt, bevor wir uns auf den Heimweg nach Innsbruck machen!

Resümee: Super Tour und Dank an den Rainer, dass wir im schneelosesten Winter der letzten 50 Jahre (TT vom 20.02.2011!!) solche Pulverträume erleben durften!

 

Hardfacts:

Teilnehmer AGWI: Gschwentner, Marehart, Neuhauser, Schösser, Steixner, Wild

Gäste: Sonja und Holzmann Manni.

Gehzeit: 3 Stunden, 10 Minuten; 1.350 HM

Tourenende: ca. 18.00 Uhr in Innsbruck

 

Mein erster Tourenbericht, da der Staatskarossenfahrer und eigentliche Schriftwart wohl bei den Calvinisten war, jedenfalls nicht bei uns!

 

 

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