Piccolo Dain - SO Wand
In der 3. Seillänge
Ausstieg aus der 2. Seillänge
In der 6. Seillänge
Technische Plattenseillänge
Tiefblick auf den Toblinosee
Unter dem Abschlußdach
Zufrieden am Ausstieg

9.10.2011 Helmut Aschauer

 

 

Er ragt senkrecht über den Dächern von Sarche auf und hat für viele Bergsteiger was zu bieten, der Piccolo Dain mit seinen 971 m: für den Drahtseilakrobaten den luftigen Klettersteig Rino-Piseta, für den Plaisirkletterer die gut gesicherten Routen Amazonia und Orizzonti Dolomitici, für den alpinen Sportkletterer Routen bis zum 9. Grad und für den Alpinkletterer eine der bekanntesten klassischen Führen des Sarcatals: die Loss-Pilati durch seine steile Südostwand, 1970 erstbegangen von den Trientiner Kletterern B. Loss und M. Pilati  mit Gef., klassisch bewertet mit  VI+ A1.

 

 

Wir sprechen natürlich schon lange über dieses Projekt, schauen wir doch jedes Mal, wenn wir von einer unserer häufigen Kletterreisen ins Sarcatal nach Hause fahren, genau auf diese imposante Wand. Die Route folgt einer natürlichen Linie aus Verschneidungen und Rissen bis zum Abschlussdach, das in künstlicher Kletterei überwunden wird. Beim Zirler Bergfilmfestival 2011 ist es soweit, schon etwas ermutigt durch die Wirkung eines beliebten Hopfengetränks, beschließen mein Sohn Felix und ich, einen Versuch auf dieses Wunschziel 1. Klasse zu wagen.

 

 

Und so fahren wir am Sonntag, 9.10.2011, über den bereits verschneiten Brenner nach Süden, das „gelobte Land“, wie wir die Gegend um Arco nennen, empfängt uns mit strahlendem Sonnenschein bei wolkenlosem Himmel und wird diesem Namen wieder einmal gerecht. Wir parken in Sarche und „bewaffnen“ uns mit der üblichen Kletterausrüstung, zusätzlich nehmen wir heute auch je eine Trittleiter und die sogenannte „S1“ mit. Diese „S1“ ist eine mit einem kleinen Bambusstock versteifte Expressschlinge, mit der sich die Arm-Reichweiche zum Einhängen der Haken um etwa 30 cm verlängern lässt und die uns heute sehr gute Dienste erweisen wird.

 

 

Der Zustieg von einer Stunde ist schnell erledigt, wir queren zuletzt seilfrei über ein exponiertes bewachsenes Band zum Einstieg. Die erste Seillänge beginnt mit etwas brüchigen Querungen und Aufschwüngen – Felix meistert sie ohne mit der Wimper zu zucken. Dann folgt bereits die Schlüsselseillänge, eine 45 m hohe leicht überhängende Verschneidung im Schwierigkeitsgrad VI+, bestehend aus gelbem Fels garniert mit Vogeldreck. Ich arbeite mich darin Meter für Meter hoch, etliche Haken und Holzkeile verschiedenster Qualität vermitteln ein gewisses Gefühl von Sicherheit. Alle Arten der Verschneidungs- und Kaminkletterei sind hier gefragt, vom spagatartigen  Spreizen über Stemmen bis hin zum Ganzkörpereinsatz. Oben angekommen stellen wir beide fest, dass wir nun so richtig scharf auf den Rest der Route sind, flott geht es also weiter über Risse und graue Platten. Eine glatte Platten-Seillänge verlangt künstliche Kletterei, sie ist mit alten Sticht-Bohrhaken ausgerüstet: Unsere Fifis leisten hier gute Dienste.

 

 

Da nach beginnt der Schlusspart, eine wiederum gelbe Verschneidung führt uns in freier Kletterei hinauf zum Abschlussdach. Wir beziehen darunter Stand an 3 Sticht-Bohrhaken und einem Klemmkeil. Nun heißt es die Dachkante zu erreichen, von der ein Bandl herunterbaumelt und den Weiterweg über die schwächste Stelle des Überhangs weist. Ich bin wieder einmal froh, die ganze Trickkiste dabei zu haben, Fifi und die „S1“ helfen die Hakenabstände leichter zu überwinden. Die Ausgesetztheit ist enorm, nach ca. 15 m künstlicher Kletterei erreiche ich ein großes Querband über dem Dach und beziehe Stand an einem soliden Baum. Felix muss zuerst einen Seilsalat entwirren, dann folgt er über diese beeindruckende Länge. Die letzte Seillänge ist nur mehr Formsache, eine graue IV+ Verschneidung mit anschließender kombinierter Baum-Fels-Kraxlerei leitet nach 40 m zum Ausstieg.

 

 

Zufrieden sitzen wir nun hier in der Nachmittagssonne und blicken hinunter ins Sarcatal mit seinen schönen Seen, dem Lago di Toblino und dem Lago di Cavedine. Ein persönlicher Meilenstein ist wieder einmal geschafft, und das mit dem eigenen Sohn – da freut sich ein Vater wie ich ganz besonders!

 

 

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