Der Nasenquergang

Gregor Staggl, 8. August 2013

 

Datum: Donnerstag 1. August 2013 - mit dabei: H. Aschauer, G. Staggl

Ausgangspunkt: Griesener Alm (988m) Gipfel: Totenkirchl (2.190m)

Höhenmeter: ca. 1.300m - Start: 5:20 Uhr - Dauer: ca. 13 h

Kletterroute: Dülfer, Totenkirchl Westwand -  Wetter: sonnig, warm

Wandhöhe: ca. 600m - Seillängen: 18 - Schwierigkeit: <= 6+

Material: alpine Grundausrüstung - Führerliteratur: Topoguide, Alpen I

 

Als ich Hemmis E-Mail mit Betreff 'Dülfer?' bekam, wusste ich, was das zu bedeuten hatte. Es war Zeit den Kletter-Klassiker im Wilden Kaiser erneut anzugehen. Nachdem wir vor einem Jahr auf Grund schlechter Bedingungen abbrechen mussten, wollte ich unbedingt wieder hin, um die Route diesmal zu bewältigen und auch bei Hemmi hatte die Begeisterung nicht nachgelassen.

 

Diesmal gehen wir die Tour von der anderen Seite an, nicht vom Kaisertal und dem Anton-Karg-Haus aus, sondern von der Griesener Alm über das Stripsenjoch. Um für die lange Tour genügend Zeit zur Verfügung zu haben, fahren wir schon um halb 4 aus Innsbruck los.

 

Um kurz vor 5 erreichen wir die Mautstation für die Straße zum Parkplatz, wo wir auf die ersten Probleme stoßen. Der Automat gibt, trotz Geldeinwurfs, keine Jetons her, um den Schranken zu öffnen. Doch davon lassen wir uns natürlich nicht aufhalten und schrauben mit Hemmis Werkzeug kurzerhand einen Pfosten ab, der uns die Durchfahrt versperrt. Mit etwas Verzögerung geht es weiter und um viertel nach 5 erreichen wir den Parkplatz bei der Griessener Alm.

 

Nun heißt es 'schnell greifen'. Der Himmel wird schon hell und wir haben noch einiges vor uns. Mit dem Material am Gurt und dem Seil am Rücken machen wir uns an den Anstieg. Während die Sonne die ersten Bergspitzen küsst, erreichen wir nach 50 Minuten das Stripsenjochhaus (1.577m).

 

Wir steigen wieder ein paar Höhenmeter ab, klettern über eine Leiter und gelangen bald auf den Weg, über den wir vor einem Jahr auch aufgestiegen sind. Um 6:50 Uhr erreichen wir schließlich das ominöse Schneefeld, das den Eingang zur Winkler-Schlucht blockiert und uns letztes Mal einiges an Zeit und Nerven gekostet hat.

 

Hemmi hat diesmal vorgesorgt und ein Paar Steigeisen eingepackt. So überquert er den bockharten Schnee mit Leichtigkeit. Nun will er mir die Eisen herunterwerfen, doch kommt ihm der Wurf etwas aus und anstatt zu mir, rutschen die Eisen in die ca. 15m tiefe Kluft zwischen Schnee und Fels, wo sie vermutlich heute noch liegen. Das Schneefeld hat uns wieder einmal geärgert, doch bis auf den materiellen Verlust ist nichts passiert. Mit etwas Schauen finde ich eine einfache Route, über die ich das Schneefeld umklettern kann und gelange gleich zu Hemmi.

 

Noch ungesichert steigen wir die 180m durch 2-3er Gelände bis zum Einstieg, den wir um dreiviertel 8 erreichen. Bis jetzt liegen wir super in der Zeit. Um weiterhin zügig voranzukommen und uns im anfangs unübersichtlichen Gelände nicht zu versteigen, klettern wir wieder gleich wie letztes Jahr. Deshalb beginne ich mit der ersten Seillänge.

 

Diesmal finden wir die Route ohne Probleme und nach einer Stunde haben wir bereits die uns schon bekannten ersten 5 Seillängen durchstiegen. Nun beginnt das Neuland und die schöne Kletterei. Im ersten 6er-Quergang hat Hemmi den Vorstieg und meistert diesen mit Bravur.

 

Die nächsten beiden Längen sind dann nochmal gemütlicher, bevor wir zur 9. Seillänge, dem berüchtigten Nasenquergang kommen. Diese 6+ Länge umging Hans Dülfer bei seiner Erstbesteigung im Jahr 1913, also vor 100 Jahren, mit einem Pendelmanöver. Doch da wir mit Kletterpatschen bewaffnet sind, versuchen wir es direkt. Ich steige vor und mit etwas probieren kann ich die Platte gut queren und den Stand sicher erreichen.

 

Danach ist die Hälfte geschafft, doch es ist bei weitem noch nicht aus. In Länge 11 haben wir ein paar Abstiegsmeter dabei und damit eine enorme Seillreibung. Außerdem warten noch ein paar tolle Verschneidungen, Kamine, Platten und ein Überhang auf uns. Es wird uns nichts geschenkt, doch das wollen wir auch gar nicht, denn die oft anspruchsvolle Kletterei macht tierischen Spaß und die Bedingungen sind heute einfach perfekt.

 

Um dreiviertel 2, nach 6 reinen Kletterstunden, erreichen wir schließlich den Gipfel des Totenkirchls. Erleichtert und froh schlagen wir auf diese Traumtour ein. Wir haben die Route rotpunkt geschafft und uns unsere Gipfeljause redlich verdient. Wir genießen noch ein bisschen die Aussicht im Kaisergebirge, bevor wir uns an den Abstieg über den Normalweg machen.

 

Die Abstiegsroute, die uns über die drei Terassen des Totenkirchls führt, verlangt auch noch etwas an Konzentration. Dreimal seilen wir ab und sonst ist auch Trittsicherheit gefragt. Kurz nach 4 kehren wir schließlich wieder zum Stripsenjochhaus zurück. Dort verschnaufen wir erst mal mit ein paar Bier und einer kleinen Stärkung.

 

Danach steigen wir wieder zum Auto ab und erreichen den Parkplatz um 18:20 Uhr. Die Tour ist vorbei, doch wir fahren gleich zum Wettersteiner Vereinsabend, um unseren Kameraden von unserem Abenteuer zu berichten und noch mit ein paar weiteren Bier diese perfekte Klettertour zu feiern.

 

 

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