DACHSTEIN, Adamek Hütte 2196 m

 

6./ 7./ 8. September 2013

 

Freitag 06. 09.

Um 6:15 Uhr treffen wir uns beim „Badl“ in Hall, mit drei Autos fahren wir im Konvoi zum Dachstein. Hemmi, unser ausgebildeter Meteorologe, hat das perfekte Wochenende dafür ausgesucht. Für genau die nächsten drei Tage ist, wie schon den ganzen Sommer über, strahlendes warmes Wetter angesagt, Regen erst ab Montag.

Um 9:30 Uhr treffen wir alle am Parkplatz der Dachstein-Seilbahn oberhalb von Ramsau ein. Dank Marius fahren wir um 18 € statt 33 € (hin und retour) mit der Gondel stützenfrei auf den Hunerkogel, 2685 m. Marius hat hier oben seine Fernrohre aufgestellt und die „Treppe ins Nichts“ geplant. Die wollen wir uns geben. Eine Hängebrücke, entlang der Südwand gespannt, führt uns zur Treppe, die kühn aus der Wand hinausragt. Eine echte Attraktion, auf der sich jeder Tourist fotografieren lässt, was nicht ohne Warteschlange abgeht.

Um 11:00 Uhr verlassen wir den Rummelplatz und machen uns über den Hallstätter Gletscher auf den Weg. Eine Ratrakspur, die zur Seethaler Hütte führt, bringt uns zum Wandfuß des Hohen Dachstein. Hier beginnt der versicherte Schulteranstieg, der schon ziemlich belegt ist – rauf und runter. Wir steigen hier ein, denn der zweite Anstieg, der Randkluftsteig, der höher am Gletscher startet, schaut aus wie eine durchgehende Menschenkette. Der Klettersteig ist nicht schwierig und so können wir frei hinaufgehen und die langsameren Seilschaften problemlos überholen. Trotzdem, ein reges Treiben auf diesem Anstieg.

Gegen 13:00 Uhr sind wir auf dem Hohen Dachstein, 2995 m. Es bleibt genug Platz für uns neun. Die Aussicht ist großartig, Gregor möchte doch einen Dreitausender machen und erklimmt das große Gipfelkreuz. Ganz oben wird er es wohl geschafft haben. Der Abstieg über den Westgrat bringt uns sofort in die Bergeinsamkeit. Der versicherte Abstieg führt auf den Großen Gosauer Gletscher. Westseitig stapfen wir unterhalb der Mitterspitze im weichen Schnee bis auf ca. 2300 m hinunter. Ab hier führt der Weg über die vom Gletscher rundgeschliffenen Felsen.

Obwohl die Hütte recht nah ist, zieht es sich doch. Die letzten treffen um 15:30 Uhr auf der Adamek Hütte, 2196 m, ein. Vor 20 Jahren noch am Rande des Gletschers, liegt sie goldrichtig. Die tschechische Bedienung ist freundlich, besonders Michaela. Sofort besetzen wir den Tisch im Hauseck, sonnig und wettersteinertauglich. Das Bier schmeckt! Die zwei Jungen, Gregor und Stefan, machen sich noch auf den Weg. Auf die Niedere Schreiberwand, 2496 m, gleich hinter der Hütte, führt die „Diagonale“, eine Kletterroute, V+, 8 Seillängen. Von der Hütte aus sind sie weit hinauf zu beobachten. Es ist ein genussvolles Klettern, gut abgesichert in griffigem Fels. Nach 2,5 Stunden sind sie noch vor Einbruch der Dunkelheit zurück.

Wir anderen haben keinen Stress, bekommen das HP-Abendessen sogar auf unseren Terrassentisch serviert, nachdem wir die Warnung von Michaela vor einer auskühlenden Suppe in den nicht wehenden Abendwind geschlagen haben. Belohnt werden wir durch einen fulminanten Sonnenuntergang genau über der Bischofsmütze, danach noch ein atemberaubender Sternenhimmel.

 

Samstag 07. 09.

7:00 Uhr Frühstück ganz allein mit Andi, die anderen haben etwas verschlafen. Koxi macht wie vereinbart seinen Anruf zuhause und als er erfährt, dass seine hochschwangere Marlene bereits im Spital liegt, hält ihn leider nichts mehr. Er macht sich nach dem Frühstück auf den Abstieg über die Windlegerscharte und die Südwandhütte zum Auto, 4,5 Stunden.

Heute trennen sich die Wege der Kletterer und der Klettersteiggeher, aber erst nach einem gemeinsamen Anstieg über den östlichen, blanken Teil des Gosauer Gletschers. Ohne Steigeisen eiern wir entlang von Schotterspuren das Blankeis hinauf, weil die Kletterer ihre in der Hütte gelassen haben.

Die Seilschaften Hemmi mit Hermann und Marius, und Gregor mit Stefan, nehmen sich den Westgratturm, 2686 m, vor. Zuerst seilfrei über den schrofigen Vorbau, dann die ersten Seillängen gemeinsam durch eine Verschneidung. Im oberen Wandteil, eine Plattenzone mit Wasserrillen und Rissen, trennen sie sich. Das „Plattenparadies“, VI-, nimmt Gregor und den „Bergführerweg“, IV+, Hemmi in Angriff. Die Routen verlaufen parallel, sind gut abgesichert und der raue Fels macht die Reibungskletterei zum Hochgenuss. Kurz vor Mittag treffen sie sich oben wieder und seilen gemeinsam ab.

Reini, Andi und ich ziehen nach der Trennung die Steigeisen an, wir müssen weiter hinauf zum Einstieg des Amonklettersteiges und der Gletscher wird steiler. Nach der Randkluft geht es gleich zur Sache, der Steig ist steil und ausgesetzt, Schwierigkeiten C/D, bis zur Simonyscharte auf 2674 m, wo wir gegen 10,30 Uhr eintreffen.

Der Weiterweg auf das Hohe Kreuz erscheint uns ziemlich weit, wir verkürzen auf den ersten eingezeichneten Punkt im Gratverlauf, 2745 m - unser heutiger Gipfel. Wir sehen direkt hinüber zu den Kletterern, die bereits im oberen Wandteil sind. Von der Simonyscharte geht´s hinunter auf den Hallstätter Gletscher und über einen weiteren Klettersteig auf die Steinerscharte, 2720 m, wieder auf den Gosauer Gletscher hinab. Wir steigen ohne Seil über den blanken Gletscher ab, und sind eigentlich etwas früh wieder herunten. So lege ich mich auf einen Felsblock im Gletscherbecken und schaue den Kletterern beim Abseilen zu. Das Handy klingelt, ein SMS von Angelika, Marlene hat einen gesunden Buben, Ben, zur Welt gebracht.

Koxi, der zweifache Opa, ist schon am Heimweg. Ab 15:00 Uhr besetzen wir wieder unseren Wettersteinertisch auf der Terrasse, die Sonne brennt herunter und die Vorsätze weg, mit dem Bier etwas zurückhaltender umzugehen. Ben muss auch gefeiert werden, auch ohne Koxi. Das Abendessen nehmen wir wieder auf der Terrasse, das Essen ist sehr gut, wiederum Abendrot über der Bischofsmütze und der Sternenhimmel. Die Hütte ist voll, sehr viele Tschechen sind hier, laut Michaela ist der Dachstein für sie das nächstgelegene Bergmassiv.

Hemmi und Marius trotzen der Nachtkälte bis 22 Uhr, dann gesellen sie sich zu uns in die Gaststube, wo noch eine Watterrunde übriggeblieben ist. Schließlich müssen wir sogar die Stube wechseln, über uns wollen Leute schlafen, wie uns eine sehr nachsichtige Michaela beibringt.

 

Sonntag 08.09.

7:00 Uhr Frühstück und nach einer aufwändigen Abrechnung steht fest, dass 1.220, €, das sind pro Person 130,-€ zu bezahlen sind. (Für die Nachrechner: Koxi hat weniger bezahlt und 100,-€ Zuschuss ist abzuziehen).

Um 8:00 Uhr ist Aufbruch. Andi wählt den Abstieg zu Fuß, über den gleichen Weg wie Koxi am Tag zuvor. Reini und ich haben uns vorgenommen, den Gipfel von gestern zu vollenden. Die Abstiegspur von gestern aufsteigend, wählen wir den einfacheren Weg über die Steinerscharte. Wieder zurück auf der Simonyscharte gehen wir den Amonsteig zu Ende. Er ist doch recht lang und schwierig, aber sehr schön führt er immer den Grat entlang, der letzte Anstieg ist seilfrei. Um 11:15 Uhr sind wir auf dem Hohen Kreuz, 2837 m.

Außer auf dem Weg zum Gletscher treffen wir keinen Menschen, wo sind all die Leute hin? Von der Simonyscharte führt eine ausgetretene Spur bis zum Fuß des Großen Dachsteins, ab da auf der Ratrakspur, die gegen Schluss wie eine neu asphaltierte Straße ausschaut, bis zur Seilbahnstation. Es ist 14:00 und ich rufe Hemmi an, wie weit sie sind.

Das heutige Ziel der Kletterer ist die Mitterspitz, 2925 m. Die Seilschaft Hemmi wählt in der Ostwand die Route „Hexenschuss“, IV+. Die Route ist recht anspruchsvoll, die Bohrhaken sind weit auseinander. Laut Hermann, unserer Legende, eine für ihn schon schwierige aber großartige Kletterei, interessant und abwechslungsreich. Hemmi führt, Hermann und Marius steigen nach. Nach 13 Seillängen sind sie am Gipfel. Mein Anruf erreicht sie bereits in der letzten Abseillänge.

Gregor und Stefan haben sich „Einfach Super“, VI, 12 Seillängen, vorgenommen. Diese Route ist schlecht abgesichert und die erste Seillänge führt frei über brüchiges 4er Gelände. Unser Gast Stefan ist an die Härten eines Wettersteiner-Hüttenabends noch nicht ganz gewöhnt und so geht ihm bald die Motivation aus. Nach 5 Seillängen seilen sie ab und warten am Gletscher auf die anderen. Über die Steinerscharte geht es vereint zur Seilbahn.

Das Wetter hat sich etwas verschlechtert und so fahren Reini und ich gleich hinunter, wie viele andere auch, das ergibt 40 Minuten Wartezeit. Unten angekommen, steht Andi schon da und so setzen wir uns in das erste Gasthaus und erwarten die Kletterer. Gegen 16:30 Uhr treffen sie ein und gemeinsam machen wir uns auf die Heimreise. In der Nähe von Filzmoos steuern wir zum Abendessen ein schön gelegenes Landgasthaus an. Das Essen verläuft ziemlich schweigsam, alle sind müde und hungrig und 3 Stunden Heimreise stehen noch bevor.

Diese sind wirklich anstrengend, Staus vor und nach Salzburg, wir fahren über Lofer. Nachdem ich meine Mitfahrer alle nach Hause gebracht habe, bin ich um 21:45 Uhr endlich daheim. Ein ausgefülltes, großartiges Bergwochenende liegt hinter uns.

    

Bruno

   

Wettersteiner: Hemmi, Hermann, Koxi, Marius, Andi, Gregor, Reini, Bruno

Gast: Stefan 

 

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