Bilder:

Drei zinnen
Am Stand in der Comici-Führe
Edi Weber knapp über dem Einstieg
Im 27 m Quergang

Comici

Hermann Buratti

Unser Präsident, der Hemmi, wünscht sich von mir für die Wettersteiner-Homepage einen Bericht aus meiner Jugendzeit, also aus dem letzten Jahrtausend! Da fällt mir ein, ich habe ja noch das Tourenbuch meines damaligen Freundes und Klettnerpartners Edi Weber (tödlich verunglückt 1965 am Kumpfkar-Nordgrat). Hier also einige Auszüge von Edis Beschreibung unseres Große-Zinne-Nordwand-Abenteuers am 30./31.August 1959. Die Anfahrt zur Lavaredo Hütte erfolgte mit meiner Puch 175 SVS.

... Da Hermann von der letzten Seillänge nur ein kurzes Stück geführt hat, will er jetzt die nächste Länge vorsteigen. Ein überhängender Riss leitet empor. Der scheint es in sich zu haben, denn Hermann braucht lange Zeit zu seiner Überwindung. Beim Nachkommen merke ich auch, dass die Stelle verdammt schwer ist. Die Griffe sind glasig und etwas brüchig. Jetzt sind wir schon hoch in der Wand, tief unten liegt das Kar. Über uns sehen wir nichts als überhängende schwarzgelbe Wandfluchten. Nebel umgibt uns die meiste Zeit und verhüllt den Blick in die Tiefe. Eine überhängende Verschneidung weist den weiteren Verlauf der Route. Mich trifft es hier als Führer. Mit Schlingentechnik geht es aufwärts. Dann folgt ein Seilzugquergang nach rechts, den ich aber nicht imstande bin, zu überwinden. Das muss ich leider zu meiner „Schande“ gestehen. Hermann übernimmt die Führung. Er kämpft sich die überhängende Seillänge empor. Beim Nachkommen lasse ich mich den Quergang einfach hinüberpendeln. ...

Etwas weiter oben: ... Hermann hängt über mir in den ersten Metern einer Verschneidung, als ein unheilverkündendes Donnergrollen an unsere Ohren dringt. Der Nebel wird dichter und nach unglaublich kurzer Zeit öffnet der Himmel seine Schleusen. Bald stürzt das eisige Wasser in mächtigen Kaskaden die Wandfluchten herab. Ich stehe etwas geschützt unter einem Dach, aber Hermann klettert geradewegs in einen Wasserfall. Nur langsam ist sein Vordringen. Ich aber stehe untätig am Stand und schlottere nur so vor Kälte. Der Regen geht bereits in Hagel und Schneefall über. Hermann hat endlich Stand. Er kann vor lauter Kälte die nassen Seile nicht einziehen. Er muss sich erst einmal „aufwärmen“. Dann komme ich natürlich auch noch ins fließende Wasser. Zitternd und schlotternd hängen wir beide dann am Stand. An so was hatten wir natürlich nicht gedacht. ...

Stunden später ... Mittlerweile haben wir eingesehen, dass wir heute den Gipfel nicht mehr erreichen. Da wir keine Biwakausrüstung haben, wissen wir, dass uns eine schauerliche Nacht bevorsteht. ...

Nach dem durchfrorenen Biwak: ... Obwohl unten im Kar schon die Sonne scheint, war an ein Weiterklettern wegen der Kälte nicht zu denken. Eiszapfen hängen in Rinnen und Kaminen....

Ein kräftiger Händedruck beendet diese Felsfahrt, welche für uns ein eindrucksvolles Erlebnis war. Die Nordwand der Großen Zinne, dieses heißersehnte Ziel, ist von uns erreicht worden. Zwar mussten wir ein Biwak in Kauf nehmen, aber es war nicht unsere Schuld. Es war ein harter Kampf und Sieg. Diese Tour, Schwierigkeit VI, wird unauslöschlich in unserer Erinnerung eingeprägt sein. ...

Soweit der stark gekürzte Bericht meines Freundes Edi, der bei einer Winter-Alleinbegehung im Karwendel den Tod fand.

 

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