Buratti Hermann
Die Geburtstagstour (15.8.2009)
Im Jahr meines 70.Geburtstages, an einem Vereinsabend im August 2009, fragt mich unser Präsi, der Hemmi, ob wir nicht die längst fällige Klettertour zum 50. Jahrestages der Erstbegehung des PI-BU Pfeilers (Buratti Pfeiler) machen könnten? Das wäre ja schon überfällig! Nach kurzer Bedenkzeit sage ich zu, denn diese Gelegenheit kommt wahrscheinlich nicht so schnell wieder, meinen geheimen Wunsch, nochmals diese Tour zu meinem 70er zu wiederholen. Mit von der Partie ist noch der Bernie, dem es eine „Ehre“ ist, wie er mir lautstark versichert, mit der „Legende“ diese Tour zu machen. So starten wir also zu dritt über das Halltal–Lavatscher Joch in den Halleranger. Dieses Unternehmen hätte ja schon 2008 stattfinden sollen. Damals haben sich meine Kameraden was einfallen lassen: eine Tafel am Einstieg des Pfeilers, welche an dieses „historische“ Ereignis erinnern soll! Weil aber letztes Jahr ein Wettersturz mit reichlich Schnee, die Sache „verhundste“ und der zu „Ehrende“ lieber in den trockenen Süden zog, blieb die Tafel uneingeweiht! Was ich nicht wusste: es waren bereits vier Wettersteiner auf der Halleranger Alm und warteten vergeblich auf den Hermann!
So stehen wir jetzt beim Einstieg und ich erblicke zum ersten Mal die fast ganz zerstörte, nur noch an den Befestigungsbolzen hängenden Reste einer Plexiglastafel mit einem Topo und der Aufschrift:
Buratti Pfeiler
1958-2008
erstbegangen von
Hermann Buratti
Kurt Pittracher
am 23.August 1958
Bei diesem Anblick kommen mir vor Rührung fast die Tränen. Schade um die schöne Tafel, die vollständig zerbröselt am Fels bzw. unterhalb im Schotter liegt. Nachträglich schäme ich mich ehrlich, weil ich letzes Jahr diesen wichtigen Termin habe sausen lassen. Auf den damals gemachten Fotos schaut die Tafel direkt elegant aus.
Aber nun ist Action angesagt, also Hand an den Fels! Heuer war ich erst einmal klettern, danach sechs Wochen ohne Felsberührung, doch meine Befürchtung, der Sache nicht gewachsen zu sein, war unbegründet. „Wir klettern mit sicherer Hand „.Der Präsi führt, danach der Bernie und als Letzter ich. Also bestens gesichert habe ich keine Probleme, die ersten Längen im 4.Grad zu meistern. Auch die Querung (5) in den steilen Rißkamin und bis unter das Dach. Dann der heikle Spreitzer unterm Dach hinaus in den Schlußkamin. Wir stehen bei der kleinen Latschenstaude am „Gipfel“. Meine Freude ist riesengroß und ich bin stolz auf meine Freunde, die es wagen, mit der „Legende“ noch klettern zu gehen. Der Abstieg ist problemlos, etwas brüchig und nach einem Abseiler stehen wir auf der steilen Wiese unterhalb der Scharte. Bernie verabschiedet sich uns so besuchen wir zwei noch das Halleranger Haus, um uns ins ehrwürdige Tourenbuch (aufgelegt 1924) einzutragen und die Kletterei zu begießen. Nach einem Schnapsl, spendiert von den freundlichen Wirtsleuten, geht es wieder übers Joch zurück ins Halltal.
Berg Heil
Hermann Buratti






