Unser Hotel Hospital de Benasque
Die letzten Meter zum Pico d'Alba
Am Pico d'Alba
Refugio de le Renclusa
Aufstieg zur Maladeta
Steilrinne zur Maladeta
Maladeta
Aneto, König der Pyrenäen
Portillo Superoir, Aneto
Brücke des Mohammed, Gipfelgrat Aneto
Die Wettis am Aneto
Firnhänge ohne Ende am Aneto
Ohne Worte!
Aufstieg durch das Valle de Remune
Großartige Landschaft im Valle de Remune

Pyrenäen 2011 - Ole!

Lange überlegte die Alpine Gesellschaft Wettersteiner Innsbruck (AGWI), wohin die Auslandsfahrt 2011 hinführen soll. Schließlich hatten wir ja etliche Auslandsfahrten mit hervorragenden Zielen bereits hinter uns gebracht. Unser Auslandstourenwart Miller Ossi hatte schon vor Jahren den Vorschlag „Schitouren in den Pyrenäen“ eingebracht. Ende 2010 wird im Verein der Entschluss gefasst, diesen Vorschlag jetzt zu verwirklichen und als Ziel festzulegen. Nach Vorbereitungen unseres Präsidenten Aschi steht bald auch das Detailziel fest: Unsere Reise soll uns in das Valle de Benasque führen.

Dies klingt so einfach, ist es aber nicht. Ist doch von Innsbruck bis zu unserem Stützpunkt eine Wegstrecke von ca. 1.500 km zurückzulegen. Nach vielen Überlegungen zur Anreise entscheiden wir uns letztlich, das Unternehmen mit einer je zweitägigen An- und Abreise in einem komfortablen Reisebus zu starten. 10 Tage - vom Freitag 8.04.2011 bis Sonntag 17.04.2011 - stehen zur Verfügung, neben den 4 Reisetagen verbleiben also 6 Tage für Skitouren. Mit Ruef Reisen haben wir ja bereits auf Korsika die besten Erfahrungen gemacht und so wird mit Markus Ruef alles Notwendige für die Pyrenäenreise festgelegt.

Es geht los!

Am Freitag, 08.04.2011 starten 23 Wettersteiner um 05:15 am Parkplatz Hausberger in Innsbruck. Brunos Sohn Gregor, der als Gast an dieser Reise teilnimmt, wird in Benasque zu uns stoßen, so dass insgesamt inkl. Chauffeur 24 Teilnehmer für diese Reise genannt sind. Eine stolze Truppe. Bei gutem Reisewetter mit entsprechenden Pausen erreichen wir problemlos um 16:56 Uhr nach 937 zurückgelegten Kilometern die Stadt Orange in Südfrankreich. Wir beziehen unser Hotel und machen noch vor dem Abendessen einen kurzen Stadtbummel. Die historische Altstadt mit dem bekannten Theater wird besichtigt, dann finden wir im Zentrum ein nettes Cafe. Im „Le Pigalle“ verkosten wir mehrere Flaschen hervorragenden Roseweins. Um 20:00 sind wir alle im Hotel zum gemeinsamen Abendessen.

Am Samstag, 09.04.2011, frühstücken wir ausgezeichnet bereits um 06:30 Uhr und starten mit 10-minütiger Verspätung um 07:10 Uhr. Unser alter Spruch, ausgemachte Zeiten sind Abfahrtszeiten, verpflichtet die Verursacher dieser Verspätung zur Leistung einer Pönale von insgesamt 3 Fl. Rotwein. Das Reisewetter ist wiederum hervorragend, ohne Verkehrsprobleme erreichen wir um 15:17 Uhr unser Quartier – das Hospital de Benasque. Wir beziehen die Zimmer und verbringen die Zeit bis zum Abendessen um 20:30 Uhr mit den Vorbereitungen für unsere Tourentage. Beim Abendessen ist uns Gregor eine große Hilfe. Auf Grund seines Studienaufenthaltes in Madrid hat er keinerlei Sprachschwierigkeiten und hilft uns bei der Auswahl des sehr reichhaltigen Angebotes. Aus mehreren Vorspeisen, Hauptspeisen und Nachspeisen kann das Abendessen individuell bestellt werden. Der Abend wird kurz gehalten, für morgen ist ein sehr früher Aufbruch notwendig.

Drei Tourentage auf der Renclusa Hütte

Es ist noch stockdunkel, als uns der Wecker aus dem Schlaf holt. Eine unchristliche Zeit, um 04:30 Uhr ist das Frühstück bestellt. Um 05:00 Uhr starten wir mit nicht gerade kleinen Rucksäcken und Stirnlampe. Nur wenige Höhenmeter oberhalb des Hospitals beginnt der Schnee am Forstweg. Die Truppe ist auseinander gezogen, die Lichter der Stirnlampen helfen jedoch für die Orientierung. Die Aufstiegsroute zur Renclusa Hütte wird unterschiedlich gewählt. Die Voraustruppe nimmt den etwas längeren Anstieg entlang der Straße in Kauf, andere zweigen rechtzeitig ab und verkürzen dadurch den Anstieg. Um 07:05 sind die ersten auf der Renclusa Hütte (2.140 m) angelangt. Die Hütte wird für zwei Nächte unser Quartier sein. Wir melden uns beim Hüttenwirt David an und können die nicht benötigten Gegenstände auf der Hütte zurücklassen. Der Rucksack wird dadurch etwas leichter. Das Wetter ist traumhaft schön und erstmals erkennen wir die Schönheit der umliegenden Berge.

Zwei Dreitausender zum „Aufwärmen“

Von der Hütte weg erfolgt der weitere Anstieg auf den Pico d‘Alba (3.107 m). Die Harscheisen werden benötigt. Auf Grund des schönen Wetters und der erkennbaren Spuren ist die Orientierung unschwierig und der Aufstieg zum Pico d‘Alba klar vorgegeben. Von der Hütte weg ziemlich steil, dann in mäßiger Steilheit mit etlichen Querungen bis zum Skidepot auf 2.932 m. Wir tragen die Ski noch über den kurzen und steilen Aufschwung auf den Nordgrat, dann beginnt der eigentliche sehr steile Anstieg über die NW-Flanke auf den Pico d‘Alba (3.107 m) Steigeisen und Pickel werden benötigt. Die Flanke ist gut gespurt, aber mit nahezu 50° Neigung nicht gerade flach. Etliche andere Tourengeher sind ebenfalls unterwegs, so dass es fast ein bisschen eng wird. Nicht alle steigen bis zum Gipfel auf, letztlich sind 16 Teilnehmer um 10:42 Uhr am Pico d‘Alba. Es ist traumhaft schön und wir genießen die herrliche Aussicht auf die umliegenden Berge. Der Abstieg erfolgt konzentriert und bald erreichen wir das Skidepot. Nun stehen uns 800 HM bester Firn zur Verfügung. Die Abfahrt bis zur Renclusa Hütte ist das reinste Vergnügen.

Auf der Hütte angelangt beziehen wir unser Lager und genießen ab ca. 13:00 Uhr den herrlichen Nachmittag. Für die besonders Hungrigen werden hervorragende Spagetti mit Rotwein serviert, dann genießen wir den Nachmittag vor der Hütte. Die Sitzbank an der Hüttenwand ist bis auf den letzten Platz belegt, da schmeckt das eine und andere Bierlein in der spanischen Sonne besonders gut. Am späten Nachmittag zieht eine Gewitterzelle mit leichten Niederschlägen und Graupelschauer herein. Um 19:00 Uhr wird der Hunger mit einem ausgezeichnetem Dreigangmenü gestillt. Nicht allzu spät beziehen wir unser Lager, glauben allerdings in einem Sägewerk untergebracht zu sein. Die Fraktion der „Schnarcher“ ist nicht zu überhören.

Am nächsten Morgen sind wir wieder zeitig unterwegs. Um 07:00 starten wir mit Harscheisen direkt von der Hütte weg. Unser Ziel ist der Pico de la Maledeta mit 3.308 m. Der Aufstieg über den gewaltigen Nordhang hat es in sich. In dieser Region sind nicht nur Tourengeher unterwegs, etliche Schneeschuhgeher und Winterbergsteiger haben im weichen Firn ihre Spuren hinterlassen. Diese sind jetzt festgefrorenen und erschweren den Aufstieg. Nachdem die erste Steilstufe überwunden ist, wird das Gelände etwas freundlicher. Um 09:43 erreichen wir das Skidepot und erkennen die steile Aufstiegsrinne zum Gipfel, die wiederum mit Steigeisen und Pickel zu bewältigen ist. 20 Teilnehmer erreichen um 10:25 Uhr den Gipfel der Maladeta. Wir genießen bei herrlichem Wetter den Blick auf den nahen Aneto (3.404 m), welcher für morgen angepeilt wird. Der Abstieg erfolgt ohne größere Probleme mit entsprechender Vorsicht, die Rinne ist ähnlich wie gestern mit ca. 50° Neigung ziemlich exponiert. Die Abfahrt im besten Firn ist wiederum ein tolles Erlebnis. Der zweite Nachmittag verläuft gleich wie der erste, großteils in der Sonne vor der Hütte. Unser Hüttenwirt David hat mit uns eine besondere Freude. Er ist sehr spendabel mit einem Verdauungsschnapserl und versorgt uns auch mit einer Lage Bier – echt großzügig. Um 19:00 Uhr werden wir wieder mit einem sehr guten Menü versorgt, anschließend legen wir uns zur Ruhe ins „Schnarchkonzert“. Einige finden ein Ausweichlager außerhalb des „Sägewerkes“.

Auf den König der Pyrenäen

E ist bereits Dienstag, 12.04.2011, der 5.Tag unserer Reise - und damit ist die Hälfte der Reisetage bereits verbraucht. Heute wollen wir den höchsten Gipfel der Pyrenäen, den Aneto mit 3.404 m besteigen. Wir müssen alles von der Hütte mitnehmen, da die Abfahrt nicht entlang des Aufstieges verläuft. Um 07:00 Uhr starten wir ziemlich aufgepackt. Das Wetter ist wiederum perfekt. Die Harscheisen werden benötigt. Der Aufstieg ist zuerst identisch mit jenem zur Maledeta, im obersten Teil zweigt die Spur jedoch links zur Portillo Superior (2.908 m) ab. Hier ist eine Scharte im Abstieg zu bewältigen. Es sind nur wenige Höhenmeter, auf Grund der frühen Tageszeit ist der Schnee aber noch sehr hart. Aschi baut eine Seilsicherung und lässt die Wettersteiner gesichert die ca. 30 Meter absteigen, eine wertvolle Kameradenhilfe. Auch andere Tourengeher benützen diese Seilhilfe. In ca. 45 Minuten sind alle Teilnehmer an dieser „Schlüsselstelle“ abgestiegen. Die Querung über den Anetogletscher hinüber zur Coll de Coronas (3.196m) ist endlos und mühsam. Der restliche Aufstieg bis zum Skidepot ist steil, kann jedoch zur Gänze mit den Skiern und Harscheisen bewältigt werden. Von dort aus ist die sogenannte Brücke des Mohammed zu überwinden, um auf den höchsten Punkt mit dem Gipfelkreuz zu gelangen, ein ausgesetzter Blockgrat mit ca. 50 m Länge. Aschi baut wiederum ein Fixseil auf, damit ist die Sicherheit gewährleistet. 20 Teilnehmer erreichen den höchsten Punkt der Pyrenäen, eine wirklich tolle Leistung. Die Abfahrt über den  Gipfelhang ist etwas ruppig, dann queren wir weit Richtung Coll de Coronas hinaus, bis wir die richtige Firnlage erreichen. Über traumhaftes Gelände im besten Firn erfolgt eine Abfahrt der Sonderklasse. Über 1000 Höhenmeter in gleichmäßiger Steilheit hinunter bis zum Talboden auf ca. 2000 m. Mit kleinen Gegenanstiegen und Abfahrten ist der weitere Verlauf etwas mühsam, bald erreichen wir wieder die Forststraße zur Renclusa Hütte. Das letzte Stück des Weges müssen die Ski getragen werden. Um ca. 15:00 stellen wir die Skier vor dem Hospital de Benasque (1.754 m) ab. Drei herrliche Tourentage sind vorbei. Für morgen ist etwas Ruhe angesagt.

Die Touren rund um das Hospital de Benasque

Aschi, Massi und Hermi erkunden für den Rest der Truppe die Tourenmöglichkeiten im nahe gelegenen Valle de Remune. Die restlichen Teilnehmer genießen den Mittwoch als Ruhetag bzw. nutzen die Zeit für einen Spaziergang in Benasque. Am Abend erfahren wir von den „Kundschaftern“, dass eine Skitour ins Valle de Remune äußerst lohnend ist.

Am Donnerstag, 14.04.2011 07:00 Uhr fährt uns Markus mit dem Bus in ca. 15 Minuten hinüber zur Talmündung des Valle de Remune. Für ca. eine Stunde müssen wir die Ski in das Tal tragen, dann erreichen wir den Schnee. Eine gewaltige Tal- bzw. Bachlandschaft prägt diese Skitour. Wir sind alleine unterwegs. Das Wetter ist nach wie vor hervorragend. Die Harscheisen sind unverzichtbar, da steile Hangflanken zu bewältigen sind. Der Natureindruck ist überwältigend. 19 Teilnehmer erreichen den Übergang Portal de Remune mit 2.848 m. Wenige steigen noch weiter Richtung Norden zum Pico Rabada (3.045 m) bzw. zum Pico Crabiolas (3.116 m). Die Abfahrt ist wiederum ein wahrer Firngenuss, und nach einer Rast in dieser wilden und sehr schönen Umgebung wird der abschließende Fußmarsch hinunter zur Straße bald erledigt. Dort erwartet uns bereits Markus mit dem Bus, er bringt uns anschließend wieder zurück zum Hospital.

Das Ende unserer Pyrenäenfahrt rückt näher. Als Abschlusstour haben eine Pistentour im Skigebiet Cerler/Ampriu ausgewählt. Um 09:00 verlassen wir das Hotel und fahren mit dem Bus bis auf 1.900 m in das Skigebiet von Ampriu. Über die Piste erreichen wir eine Scharte und folgen dann einem Schneegrat Richtung Osten zum Pico de Zibollers (2.749 m). Von diesem Gipfel können wir das gesamte Tourengebiet der vergangenen Tage nochmals einsehen. Ein tolles Erlebnis. Die Abfahrt über die Piste ist nur mehr Formsache. Den Nachmittag verbringen wir noch in Benasque in einer netten Tapas Bar. Die Tourenwoche ist damit beendet, alle Teilnehmer nehmen die besten Erinnerungen aus den Pyrenäen mit. Eine außergewöhnliche schöne und erlebnisreiche Auslandsfahrt wird damit beendet. Die Heimreise, mit einer Nächtigung in Grenoble verläuft ebenso unproblematisch wie die Anreise. Am Sonntag, 17.04.2011 mit der Ankunft in Innsbruck um 16:50 Uhr beenden wir unseren 10-tägigen Ausflug. Mit unseren Gedanken sind wir bereits bei der Auslandsfahrt 2012 – wer weiß wohin.

 

Klaus Fink, Schriftwart

 

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