Bilder:

Laguna Churup
Volleyball auf 3.800 m
Am Markt in Huaraz
Am Markt in Huaraz
Bei den Llanganucoseen
Im Gemeinschaftszelt
Die letzten Schritte zum Pisco
Am Gipfel des Nevado Pisco
Abstieg von Pisco
Chopicalqui 6.353 m
Chopicalqui Basislager, im Hintergrund links der Pisco und rechts der Chacraraju
Unsere starke Begleitmannschaft
Aufstieg zum Chopicalqui Hochlager
Hochlager am Chopicalqui
Im Steilaufschwung am Chopicalqui
Nevado Tocllaraju 6.032 m
Unterwegs am Tocllaraju
Die Pachamanca
Inkatrail
Koxi und Dieter im Zelt am Inkatrail
Gert und Franz im Lager am Inkatrail
Endpunkt des Inkatrails Macchupicchu

Peru 2007 – die Jubiläumsfahrt zum Hundertjährigen

Helmut Aschauer / Siegfried Neuhauser

Es ist keine leichte Entscheidung: der eine will in die Rocky Mountains, der andere in den Iran, nach Südamerika, Korsika oder Norwegen, wo soll unsere Jubiläumsfahrt hingehen? Welches Ziel und welche Reisedauer erfreuen sich der höchsten Teilnehmerzahl? Welches Land hat Bergziele zu bieten, die für alle erreichbar sind und verfügt gleichzeitig über Gipfel, an denen sich die stärkeren austoben können? Welche Gipfelhöhe ist dem 100. Vereinsgeburtstag angemessen? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen unseren Verein schon geraume Zeit. Es wird diskutiert, abgestimmt, wieder diskutiert, schließlich weisen alle Pfeile in eine Zielrichtung: nach Peru. Dieses Land hat alles zu bieten, was wir suchen, unzählige Fünf- und Sechstausender, großartige landschaftliche Kontraste, freundliche Einwohner, farbige Indiomärkte, einen faszinierenden kulturellen Hintergrund, den Pisco sour, ...

14 Wettersteiner fahren für 3 Wochen nach Peru

Es ist jetzt der 16. Juni 2007, 7 Uhr in der Früh. 13 Wettersteiner, stehen an einer Bar am Terminal 2 im Flughafengebäude München, heben die gefüllten Weißbiergläser und singen dem Geburtstagskind Albin „Hoch soll er leben ...“. Die Stimmung ist phänomenal, in einer Stunde werden wir Richtung Lima abfliegen. Der 14. Teilnehmer, Ossi, ist bereits seit 3 Wochen in Peru, und hat, wie wir per email erfahren haben, bereits die großartige Trekkingrunde um die Cordillera Huayhuash durchgeführt und zwei Fünftausender in der Cordillera Blanca erstiegen. Er wird uns in Huaraz erwarten.

Nach insgesamt 27 Reisestunden ab Innsbruck nächtigen wir in einer Jugendherberge in Lima. Spöttische Zungen behaupten, ein Altersheim würde besser zum fortgeschrittenen Alter mancher Kameraden passen ... . An nächsten Tag fahren wir im Luxusbus von „Movil Tours“ 8 Stunden nach Huaraz, der Bergsteigerhauptstadt von Peru. Und siehe da, wer wartet an der Busstation: Ossi. Schnell wird das Gepäck ins von zu Hause vorgebuchte Hostel „Schatzi“ gebracht, dann stürzen wir uns mit Heißhunger auf ein peruanisches Pfeffersteak. Ossi hat für uns schon einen großen Tisch bestellt.

Die ersten drei Tage nutzen wir zur Akklimatisation. Wir wandern von den Ruinen von Wilcahuain zum Thermalbad Monterey und baden dort in der braunen Brühe, besuchen die Laguna Churup, spielen auf Großglocknerhöhe Volleyball und ersteigen den Touristenfünftausender Pastoruri (5.240 m), bei dem man nur 400 Höhenmeter zu Fuß bewältigen muss.

Die kommende Woche wollen wir im Llanganucotal verbringen, und zwar möglichst komfortabel. Das bedeutet, wir brauchen einen Koch, Träger, ein Aufenthaltszelt mit Hockern und Tischen, ein Kochzelt, Ausrüstung für die Träger, Lebensmittel, und und und .... Ossi hat schon bei seiner Ankunft in Huaraz den jungen Peruaner Hector, der uns von Freunden als verlässlicher Partner am Berg empfohlen wurde, für uns gewonnen. Mit ihm bereiten wir die „Expedition Wettersteiner“ vor. Hectors Vater, Ulderico, übernimmt die Küche, Ossi besorgt mit ihm die Lebensmittel am Markt, Hector engagiert 7 Träger, die Ausrüstung wird von diversen Bergshops ausgeliehen. Mit einem 30-sitzigen Bus bricht tags darauf die auf inzwischen 23 Personen angewachsene Gruppe Richtung Yungay, dem Ausgangspunkt zum Llanganucotal, auf. Dort besuchen wir das „Campo Santo“, die Gedenkstätte für die ca. 20.000 Opfer der Katastrophe von 1970, als eine Eis-, Schlamm- und Gerölllawine das alte Dorf Yungay zur Gänze verschüttete. Betroffen vom unglaublichen Ausmaß dieser Naturkatastrophe setzen wir unsere Fahrt auf schottriger Straße ins Llanganucotal fort, wo wir auf gut 3.900 m, in unmittelbarer Nähe der Zwiebelwiese aussteigen. Diese „Cebollapampa“ ist ein großes ebenes Weidegelände, wunderschön im Talboden an einem Bach gelegen, umrahmt von Eisriesen, und dient uns für die nächsten Tage als Basislager.

Eine abenteuerliche Bergwoche im Llanganucotal beginnt!

Nachdem Ulderico seine Kochkünste beim Abendessen und Frühstück unter Beweis gestellt hat, packen wir nach der ersten Nacht unsere Igluzelte und die Bergausrüstung zusammen und machen uns auf Richtung Moränenlager des Nevado Pisco, den wir als ersten Berg besteigen wollen.

Nach gut 2 Stunden erreichen wir das Refugio Peru (4.665 m), eine Schutzhütte, die vom italienschen Don Bosco Orden vor einigen Jahren errichtet wurde und auch als Ausgangspunkt für eine Gipfelbesteigung des Pisco dient. Wir nehmen auf der Hütte nur eine Gemüsesuppe zu uns und marschieren noch etwa 2 Stunden über mühsames Blockwerk und steile Moränen zu unserem Lagerplatz auf 4.950 m weiter. Die Träger sind bereits angekommen, wir können sofort unsere Zelte aufstellen und mit dem Kochen beginnen. Leider wird das Abendessen unterbrochen, ein kräftiger Schneeschauer jagt uns in die Zelte. Wenig später reißt es aber wieder auf und wir genießen die herrliche Aussicht bis zum Dunkelwerden bei einem Gläschen chilenischen Rotweins.

Aufbruch um 2 Uhr morgens zum Nevado Pisco

Pünktlich um 2 Uhr ertönt der Weckruf, eine halbe Stunde später marschieren 11 Wettersteiner und unser Begleiter Hector bei sternenklarem Himmel bergwärts. Auf 5.100 m betritt man den anfangs steilen Gletscher, dann geht’s in wechselnder Steilheit, vorbei an beeindruckenden Spalten und Eisbrüchen, zum Gipfel. Die dünne Luft bekommen wir ganz schön zu spüren, wir schaffen maximal 150 Höhenmeter pro Stunde. Aber alle 11 Kameraden zeigen Ausdauer und sportlichen Ehrgeiz, um etwa halb zehn sind alle am aussichtsreichen Gipfel (5.752 m) angelangt. Wir empfinden alle große Freude und Rührung über die geschaffte Tour, ist der Pisco doch ein wunderbarer Gemeinschaftsgipfel für unsere Jubiläumsfahrt. Besondere Bewunderung sprechen wir unserem ältesten Pisco-Bezwinger Grasser Franz zu, der seinen 70. Geburtstag bereits im Vorjahr gefeiert hat. Rund um uns herum sehen wir nur schnee- und eisverzierte Berge: aus nächste Nähe den schaumrollenbewehrten Chacraraju, im Norden den vielbesungenen Alpamayo, den Artesonraju mit seiner ebenmäßigen Eisflanke, im Westen die drei wilden Huandoys und im Südwesten den Thron der Cordillera Blanca mit dem Huascaran Sur und Norte sowie der spitzen Eispyramide des Chopicalqui.

Der Abstieg verläuft problemlos, wir müssen aber auf die Stollenbildung unter den Steigeisen acht geben, der Schnee ist in der heißen Tropensonne schon ordentlich aufgeweicht. Eine Rutschpartie wäre nämlich an vielen Stellen nicht empfehlenswert und würde entweder in einer der riesigen Spalten oder gar in einem Abgrund enden.

Beim Zeltlager angekommen ist die Tour noch nicht vorbei, nun sind noch weitere mühsame 1100 Höhenmeter hinunter zur Zwiebelwiese zu bewältigen. Mit einer Stärkung am Refugio Peru - diesmal verspeisen wir Spaghetti - lässt sich aber auch diese Hürde schaffen, wir erreichen am späten Nachmittag das Basislager. Nur bei Gert streiken die Füße, er lässt sich die letzen 800 Höhenmeter von einem „caballo de emergencia“ (Rettungspferd) hinunter tragen.

Wir verlegen das Basislager zum Chopicalqui

Nachdem der erste Gipfelsieg im Gemeinschaftszelt ordentlich gefeiert wurde, befördern wir am nächsten Tag unsere gesamte Ausrüstung und Verpflegung, zum Teil mit Trägern und Mulis, zum Teil mit Taxis, zum Basislager des Chopicalqui auf eine Höhe von 4.350 m. Diesen formschönen Eisriesen mit seinen stolzen 6.353 m habe ich ganz oben auf meine Wunschliste gesetzt und versucht, möglichst viele Kameraden zu begeistern. Nicht alle wollen die großen Mühen, mit denen diese Tour verbunden ist, auf sich nehmen, 4 Wettersteiner werden in den nächsten 3 Tagen über den Llanganucopass und die Punta Union durch das Santa Cruz Tal hinaustrekken und 5 Kameraden werden Tagestouren vom Basislager aus unternehmen. Das Wetter ist nicht gerade schön, aber nach Aussage unseres Hector sei morgen ein Lostag, ab der sich immer sonniges Andenwetter einstelle. Uns bleibt nur die Hoffnung, dass er recht behält.

Zu fünft (Albin, Dieter, Heinz B., Koxi und ich) brechen wir am folgenden Tag bei tatsächlich heiterem Himmel zum Hochlager des Chopicalqui auf, die schweren Gepäckstücke lassen wir uns - wie schon am Pisco – von Trägern befördern. Wieder geht’s zuerst über unangenehme Moränen und Blockwerk, dann entlang eines endlosen Moränenkamms zum ersten Lager auf 4.900 m, das wir aber überspringen. Der weitere Anstieg zum Hochlager führt über den zerrissenen Glaciar Kinzl zu einer Mulde auf 5.500 m, einem idealen Zeltplatz. Unangenehmer Wind erschwert das Aufstellen der Zelte, wir müssen sie mit Firnankern absichern, damit sie nicht davonfliegen. Aber Petrus meinst’s gut mit uns, der Wind schläft bald ein, wir können am diesem außergewöhnlichen Ort in der Abendsonne speisen, die mitgetragene Flasche Rotwein mundet vorzüglich zu den Fertiggerichten von Maggi bis Knorr.

Ein Bergtraum wird wahr!

Diesmal kriechen wir bereits um 1 Uhr aus den Zelten, es ist dunkel, bitterkalt und ziemlich windig. Aber das kann uns keineswegs erschüttern, wir ziehen alles an, was wir haben, schnallen die Steigeisen an, binden uns zu fünft ans Seil und stapfen los. Die Sterne blinzeln und tief unter uns können wir die Lichter von Huaraz ausmachen. Mit einigen Rastpausen erreichen wir bei Tagesanbruch den großen Steilaufschwung auf ca. 6.100 m, der in die Gipfelzone führt. Leider geht es heute dem Heinz nicht gut, er möchte allein zurückgehen. Kommt gar nicht in Frage bei diesen Spalten, ist unser gemeinsamer Tenor. Albin zögert nicht lange, verzichtet selbstlos auf den Gipfel und steigt mit Heinz ab.

Dann waren’s nur noch drei, Dieter, Koxi und ich. In Anbetracht des steilen Geländes über uns binden wir uns zu einer Dreierseilschaft zusammen. Sechs steile und teilweise sehr ausgesetzte Seillängen über Flanken, Randklüfte und Firnrippen leiten uns zum Gipfel dieses Parade-Sechstausenders. Gut, dass jeder von uns zwei Eisgeräte dabei hat, die kann man hier gut brauchen. Völlig erschöpft, aber überglücklich reichen wir uns um etwa 9:30 Uhr die Hände zum Bergheil, es ist einfach umwerfend hier oben. Nur noch der Huascaran überragt uns, die restliche Cordillera Blanca liegt uns zu Füßen. Ein großes Ziel dieser Reise ist erreicht, ein Bergtraum in Erfüllung gegangen.

Der Abstieg erfordert nochmals volle Konzentration, unsere Leih-Firnanker leisten dabei gute Dienste. Etwas Entspannung kann nach Erreichen des flacheren unteren Teils des Südwestgrates aufkommen, jetzt gilt es nur noch, ohne Spaltensturz das Hochlager zu erreichen. Dort werden wir herzlich von Albin und Heinz empfangen, sie laben uns mit Tee, Speck und Süßigkeiten. Gemeinsam – die beiden haben schon die Zelte abgebaut – steigen wir weiter über den Gletscher und die Moräne ab, und immer wieder begegnen wir Wettersteiner-Kameraden, die uns entgegengekommen sind. Sie reichen uns Getränke wie Bier und Safteln und beglückwünschen uns zum Gipfelerfolg – wir kommen uns vor wie siegreiche Helden. Da vergehen auch die 2.000 Höhenmeter Abstieg fast wie im Flug, und noch lange schwärmen wir abends im Basislager von der gelungenen Tour.

Nach nunmehr 7 Tagen im Llanganucotal kehren wir nach Huaraz zurück, wo wir wieder in unserem Hostel Schatzi nächtigen. Am nächsten Tag teilt sich die Wettersteiner-Gruppe, 8 Mann fahren hinunter nach Lima, um die Inkametropole Cuzco zu besuchen und über den berühmten Inkatrail nach Macchupicchu zu trekken (Bericht s. unten), Umpfi und Hermann wollen die Cordillera Blanca mit dem Mountainbike unsicher machen und Heinz B., Ossi, Joe und ich planen, die letzte Woche unserer Reise im Ishincatal beim Bergsteigen zu verbringen.

Das Ishincatal - ein Juwel der Cordillera Blanca

Mit dem arriero Theodoro, der uns mit zwei Mulis und einem Pferd begleitet, marschieren wir vier von Collon ins wunderschöne Ishincatal. Wir durchqueren auf diesem Anstieg mehrere Vegetationszonen, von terrassenartig angelegten Feldern durch einen dichten Waldgürtel hinauf zum Weideland im Talschluss. Dort steht eine weitere Hütte des Don Bosco Ordens, das Refugio Ishinca auf 4.350 m. Diesmal entscheiden wir uns für bequeme Übernachtungen mit Halbpension in der Hütte.

Die erste Tour führt uns auf den Nevado Ishinca (5.550 m). Heinz und ich überschreiten diesen sanften Gletscherberg von West nach Ost. Dieser Gipfelerfolg und das inzwischen ausgezeichnete stabile Bergwetter beflügelt uns bei dem geplanten Vorhaben, der formschönen, das Ishincatal beherrschenden Eispyramide des Nevado Tocllaraju (6.034 m) auf’s Haupt zu steigen. Gesagt, getan: tags darauf brechen wir beide zum Tocllaraju-Hochlager auf, wobei wir das Zelt, die Schlafsäcke und die sonstige schwere Ausrüstung von zwei portadores tragen lassen. Auf etwa 5.200 m finden wir am Gletscher einen hervorragenden Lagerplatz, bald surrt der Benzinkocher und wärmt uns das Abendessen, diesmal gibt’s Farfalle mit Bärlauch, natürlich von Maggi. Wieder darf dazu der chilenische Sauvignon nicht fehlen. Nach einem Bilderbuch-Sonnenuntergang schlüpfen wir ins Zelt, ein Rohypnol befördert uns geradewegs ins Land der Träume.

Als Draufgabe der Tocllaraju

Nun sind wir die nächtlichen Aufstiege schon fast gewohnt, auf guter Spur stiegen wir über den anfangs flachen, dann immer steiler und spaltenreicher werdenden Gletscher der Gipfelpyramide zu. Der Wind ist wieder einmal eisig kalt, die Schritte werden mit zunehmender Höhe automatisch langsamer, um 8 Uhr stehen wir unter der etwa 60 m hohen Gipfelflanke. Diese stellt die Schlüsselstelle der gesamten Tour dar und hat eine Neigung von etwa 60 Grad. Nach kurzer Verschnaufpause im Bergschrund (dort ist es nämlich halbwegs windstill), steige ich, mit 2 Eisgeräten bewaffnet, durch die Schlusswand. Oben sind bereits zwei fixe Firnanker installiert, ich brauch nur mehr eine Ausgleichsverankerung einhängen und kann Heinz nachsichern. Die letzten Schritte sind wieder flacher, und dann stehen wir oben und erleben Gipfelglück über 6.000 m.

Auf der Hütte kommen wir zeitgleich mit Joe und Ossi an, die von ihrer erfolgreichen Besteigung des Nevado Urus (5.495 m) zurückkehren. Als wir gerade beim Abendessen sitzen, treffen noch Umpfi und Hermann auf der Hütte ein. Hermann ergreift etwas später die Hüttengitarre und so erklingen an unserem letzen Abend im Ishincatal neben Bergsteigerliedern auch Gustostückerln wie der „G’schupfte Ferdl“, und - in memoriam Georg Danzer - der „Strandbrunzer-Tango“ und „Hofrat Dr. Müller“.

Die Pachamanca - ein kulinarisches Highlight

Den Rückmarsch aus dem Ishincatal erleichtern uns wieder Theodoros Mulis, diesmal geführt von seinem Sohn. Theodoro kommt uns nämlich deshalb nicht persönlich abholen, weil er vor seinem Haus in Collon für uns eine Pachamanca zubereitet. Für dieses typische peruanische Gericht werden Steine über einem Feuer erhitzt, auf die dann in große Blätter eingewickeltes Fleisch und Kartoffeln gelegt werden. Das Ganze wird mit Gras und Erde zudeckt und gart etwa eine Stunde. Danach wird der Erdhaufen wieder weggeschaufelt und die Pachamanca ist fertig. In Plastikschüsseln, ohne Besteck und inmitten von umherlaufenden Hennen, Hunden und Schweinen wird sie uns serviert. Zwar machen wir uns leichte Sorgen um unsere noch immer gut funktionierende Verdauung, aber es wäre äußerst unhöflich gewesen, diese Einladung abzulehnen. Zum Glück, kann man im Nachhinein sagen, denn die Pachamanca mundet uns gut, wenn auch manchmal die Erde etwas zwischen den Zähnen knirscht.

Nach dieser unmittelbaren Berührung mit der peruanischen Tradition am Lande bringen uns zwei Taxis zurück nach Huaraz, wo wir noch zweimal nächtigen. Da jetzt jeder genug vom Bergsteigen hat, widmen wir uns dort hauptsächlich dem Konsum von Getränken wie Bier, Wein und Pisco Sour, um den Flüssigkeitsmangel der vergangenen Tage auszugleichen. Aber auch Souvenirs und Ansichtskarten werden fleißig gekauft.

Acht Wettersteiner am Inka-Trail

Nach der Bergwoche im Llanganucotal wird bei unserer Perureise von acht Wettersteinern auch ein Stück Kultur konsumiert, beginnend mit einem Flug von Lima nach Cuzco, der problemlos verläuft. Wir fahren mit Taxis ins Hotel Los Portales (Kategorie „gut bis befriedigend“). Nach dem Beziehen der Zimmer gehen wir zu Fuß zur Plaza de Armas, die im Zentrum liegt. In einem nahe gelegenen Restaurant wird Hunger und Durst gestillt. Nachmittag besuchen wir oberhalb von Cuzco die alte Inkastätte Sacsayhuamán. Bei dieser Sehenswürdigkeit ist bis heute nicht klar, ob es sich um eine Festung, ein Heiligtum oder einen Kultplatz handelt. Der schwerste Stein dieses Bauwerks soll 155 Tonnen wiegen. Gegen Abend treffen wir uns mit unserem Führer für den bevorstehenden viertägigen Inka-Trail. Er heißt Livos und erklärt sehr ausführlich, was auf uns zukommt bzw. welche Ausrüstung gebraucht wird. Anschließend gehen wir mit ihm in ein Restaurant Abend essen.

Am Sonntag, 1. Juli 2007, beginnt unser Trail. Bei wolkenlosem Wetter fahren wir mit dem Bus nach Ollantaytambo. Die Träger nehmen unser Gepäch und los geht’s. Nach ca. 2 Stunden Gehzeit wird das erste Lager aufgeschlagen (Wayllabamba, 3.130 m). Beim Aufstieg sind wir bei der Inkasiedlung Willkarakay vorbeigekommen.

Am nächsten Tag geht’s dann ans „Eingemachte“. Zwei Pässe (4.200 m und 3.950 m) und insgesamt 1.600 Höhenmeter im Aufstieg sind zu bewältigen. Das Wetter passt, unsere Träger bzw. Begleitmannschaft bekochen uns mittags, ein wirklich gutes Menu gibt es am Abend, als Nachspeise flambierte Bananen. Nach dem zweiten Pass haben wir heute die Inkastadt Sayacmarca besichtigt. Nach einem traumhaften Sonnenuntergang liegen wir um 20.30 Uhr ziemlich abgekämpft in unseren Zelten, die von unseren Trägern aufgestellt worden sind.

Heute folgt ein gemütlicher Tag – zuerst ein Pass, dann Abstieg an einer Inkasiedlung vorbei über Stufen durch den Inkatunnel, Aufstieg zur Terrassensiedlung Intipata, dann erreichen wir das Lager Winay Wayna auf ca. 2.700 m. Zuerst Mittagessen, später besichtigen wir noch eine alte Terrassensiedlung. Am Abend tolles Essen mit einer Traumtorte. Dann zahlen wir den Trägern und dem Koch ihren verdienten Lohn (ca. $ 80,--) aus. Der höchste heute erreichte Punkt war der Huayna Phuyupatamarca mit 3.700m.

Am vierten und letzten Tag des Inka-Trails ziemlich frühe Tagwache: 4 Uhr morgens, zusammenpacken und ab zum Check point. Zuerst mit Stirnlampen erreichen wir nach einer Stunde flotten Schrittes Intipuncu (2.700 m) – erster Blick auf Machu Picchu, das noch im Schatten liegt. Wir warten auf den Sonnenaufgang, der dann die ganze Pracht dieses „Weltwunders“ ins richtige Licht rückt. Später besteigen wir alle noch den Wayna Picchu. Nach einer dreiviertel Stunde erreichen wir über den seilversicherten steilen Weg den 2.750 m hohen Gipfel. Die Aussicht ist traumhaft, es wird fotografiert und gejausnet. Nach dem Abstieg besichtigen wir noch den Haupttempel und den Tempel des Kondors. Danach Treffpunkt beim Restaurant, ein schnelles Bier und Abfahrt mit dem Bus nach Aguas Calientes. Im Restaurant „Felice Gringo“ wird noch eine Kleinigkeit gespeist. Mit dem Zug (Peru-Rail) geht’s dann nachOllantaytambo, dort steigen wir in einen Bus um, der uns zurück nach Cuzco bringt. Im Hotel „Los Portales“ endlich wieder einmal unter die Dusche, dann geht’s ab in unser Lokal zum ausgiebigen Abendessen.

Gemeinsamer Abschluss in Lima

In Lima treffen wieder alle Wettersteiner zusammen, und nach einer zünftigen feucht-fröhlichen Wettersteiner-Wiedersehensfeier heben wir am nächsten Tag mit IBERIA zum Heimflug ab. Erfüllte und erlebnisreiche drei Wochen gehen zu Ende - eine großartige Jubiläumsfahrt zum 100. Geburtstag der Wettersteiner durch ein wunderschönes Land liegt hinter uns.

 

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