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Abenteuer pur auf Route 46
Unser Landhaus
In Suvereto
Einfahrt in den Hafen von Portoferraio
Am Cima del Monte auf Elba
6a
6b
In San Gimignano

Biken in der Maremma

Klaus Fink

Die begeisterten Mountainbiker der Alpinen Gesellschaft Wettersteiner führen alljährlich eine mehrtägige Bike-Fahrt durch. Wegen ihrer minutiösen Vorbereitung und besonders angenehmen Gestaltung erhielten diese Ausflüge den treffenden Namen „Komfort-Reisen“.

Oktober 2006. Unsere traditonelle Bikereise führt uns in die südliche Toskana nach Massa Marittima, wo uns das Navigationssystem im Sheran von Eichinger Wolfi ohne größere Probleme direkt hinführt. Eine schöne Strecke und sechs Stunden Fahrzeit – um 20:30 Uhr treffen wir am Zielort ein. Die Kollegen, die mit dem zweiten Auto gefahren sind, erwarten uns bereits am schönen Domplatz in einer Bar. Nach dem Bezug des Quartiers suchen wir noch ein nettes Lokal und lassen uns das hervorragende toskanische Abendessen schmecken.

Landhaus im Olivenhain

Unser toskanisches Landhaus liegt in einer Olivenplantage. Eine traumhaft schöne Lage mit Ausblick auf Massa Marittima. Offensichtlich wurde dieser Ansitz, ein altes Bauernhaus, zu einem Ferienhaus umgebaut. Sehr schöne Architektur und auch sehr komfortable Zimmer und Aufenthaltsräume. Wir wohnen zu sechst allein im Haus.

Am nächsten Tag starten wir nach ausgiebigem Frühstücksbuffet um 09:45 zur ersten Bike Tour. Das Wetter ist traumhaft schön und sommerlich warm. Die Berge naturgemäß etwas niedrig, so dass es gewöhnungsbedürftig ist, sich in Höhen um ca. 300 m zu bewegen.

Kartenmaterial und Wegweisung für Biker sind sehr dürftig, dementsprechend schwer ist auch die Wegfindung. Wir finden aber doch letztlich eine nette Route, die sich aber im Verlauf zu einer wahren Adventure Tour entwickelt. An einer Weggabelung ist die Entscheidung zu treffen – bleiben wir auf Route 32 oder wechseln wir auf die längere Route 46. Die Route 46 trägt folgendes Hinweisschild:

Chiuso - Taglio del bosco

was zu Deutsch „gesperrt wegen Waldarbeiten“ heißt. Auslandserfahrene Teilnehmer wie Albin erkennen sofort, dass diese Tafel nicht mehr aktuell ist, da mit bereits angerosteten Nägeln befestigt. Italienisch kundige Teilnehmer wie Wolfi E. sehen in dieser Textierung auch kein Problem. Also was solls - wir fahren trotz gesperrtem Weg auf der Route 46.

Nun beginnt ein echtes Abenteuer. Der Weg wird immer schlechter und unbefahrbarer, die Stauden immer dichter, der rote toskanische Letten immer tiefer und die Wasserlacken immer größer.

Mehrere Versuche mit wiederholten Umkehrstrategien sind nicht sehr ergiebig. Das Kartenmaterial ist wohl eher nur mehr Belastung als Information, gesichert ist wohl nur mehr die Aussage, in der Toskana zu sein. Weit und breit auch kein Albergo, so dass Schauerle zur Ansicht gelangt, dass die „Wettersteiner Komfortreisen“ zu „ Adventure Tours“ umzubenennen sind.

ASKET Adventure Tours

Endlich gelingt es uns aus diesem Wald wieder herauszufinden und auf der Landstraße unseren Weg weiter fortzusetzen. Natürlich können in dieser Situation technische Defekte nicht ausbleiben – Albin und Schauerle haben prompt einen Platten.

Wir sind froh unser angepeiltes Ziel den Lago dell’ Accesa erreicht zu haben. Bald sind wir wieder in der Nähe von Massa, reinigen an einer Tankstelle mit Hochdruckstrahler unsere Räder und genießen in einer netten Bar noch ein Bier.

Die Nachmittagssonne genießen wir im Garten unserer Anlage und lassen es uns bei einer gemütlichen Jause gut gehen. Mit Sonnenuntergang testen wir noch die Saunalandschaft, Whirlpool und Schwimmbad, dann geht es zum Abendessen in das Restaurant. Das Kalbsgulasch mit Erbsen ist nicht ganz mein Geschmack. Für morgen beschließen wir einen Ausflug nach Elba. Albin ist fest davon überzeugt, dass wir wegen der Fähre keinen Stress haben – hier fahren alle 15 Minuten Fähren nach Elba.

Tags darauf sind wir zeitig beim Frühstück und fahren um 08:45 Uhr von Massa weg. Unser Weg führt uns nach Piombino direkt an das Meer. Wir müssen aber feststellen, dass die nächste Fähre erst nach einer Wartezeit von ca. 2 Std los fährt, lange Gesichter. Der neue Entschluss ist bald gefasst, wir verschieben Elba auf morgen Samstag und suchen uns eine Route in Küstennähe.

Ein bisschen im Hinterland wählen wir Suvereto als Ausgangspunkt. Wir stärken uns noch mit Weiswein und Cappucino, dann geht es über Asphalt hinauf bis nach Sassetta . Wir fahren nicht ganz bis Sassetta, sondern zweigen von der Straße links ab, erreichen noch einen „Monte“ und dann geht es wieder bergab. Schöne Landschaft und nettes Bikegelände. Wir fahren in der Gegend noch ein bisschen herum und machen noch ein paar HM. Leider hat Albin noch zwei mal einen Reifendefekt – er ist aber entsprechend routiniert, so dass in 10 Minuten der Patschen behoben ist.

Wieder in Suvereto angelangt kehren wir noch im bekannten Vormittagsalbergo ein, lassen uns die Biere schmecken und auch das toskanische Häppchen mundet hervorragend.

Die Rückfahrt nach Massa ist ohne Probleme. Am Abend genießen wir die nächtliche – fast sommerliche – Atmosphäre von Massa und besuchen unseren Wirten vom Mittwoch. Wieder werden wir hervorragend bedient. Die abendliche Diskussion schließt unsere Kurgäste ein. Albin und Heinz schwärmen nämlich von ihren Kuraufenthalten. Das Verständnis der anderen Kollegen - ausgenommen Siggi der ja selbst ein Mehrfachkurer ist - hält sich in Grenzen.

Zweiter Anlaug auf Elba

Heute erfolgt der zweite Anlauf auf Elba. Wir wissen, dass wir um 09:30 die Fähre erreichen müssen. Frühstück ist für 07:00 angesagt. Nach dem gestrigen Großeinkauf sind wir bestens verpflegt, es fehlt an nichts. Um 07:45 starten wir in Massa. Auf bekanntem Wege hinüber zur Küste nach Piombino. Die Preise für die Überfahrt sind auch nicht ohne. Wir legen gemeinsam 200 € ab. Nach schöner Meerfahrt und Stärkung an der Bordbar sind wir bald in Portoferraio angelangt. Die Route ist für den Nordteil der Insel festgelegt. Der Hauptstraße entlang bis nach Bagnaia.

Mit Aufstieg und Abfahrt bis nach Nisporto, dann beginnt die eigentliche Tour. Auf gut ausgebauter Asphaltstraße hinauf bis der Blick auf Rio nell Elba frei wird. Das Wetter zieht ein bisschen herum, Nebelschwaden vom Meer und ein etwas kühlerer Wind. Bald sind wir in Rio nell Elba angelangt. Ein gemütliches Albergo und die entsprechende Stärkung dazu. Über Asphalt hinauf (sehr steil - Schiebestrecke) bis zum Übergang. Schauerle, der mit seinem Rücken Probleme hat, fährt auf Asphalt Richtung Küste, während der Rest der Truppe den Weg zum Cima del Monte einschlägt.

Auf unfahrbarem Weg geht’s hinauf zum Gipfel (516 m). Nebelschwaden und heftiger Wind begleiten uns. Der Ausblick, soweit es der Nebel zulässt, entschädigt. Auf markiertem Wanderweg und Schiebestrecke bleiben wir im Kammverlauf und erreichen bald wieder fahrbares Gelände. Auf ziemlich rustikalem Fahrweg hinunter zur Küste und wieder zurück nach Portoferraio. Dort treffen wir im Segelhafen auf Schauerle und trinken die letzten Erdinger Weißbiere, die noch vorhanden sind. Sommerliche Temperaturen und entsprechendes Feeling lassen die Zeit bis zur Abfahrt rasch vergehen. Um 16:30 Uhr sind wir wieder auf der Fähre zurück nach Piombino. Von der Fähre aus erkennen wir unser Tour und sehen, dass es gar nicht so wenig war.

Heimreise über San Gimignano

Wir frühstücken noch gemütlich in unserem Quartier, bezahlen dann in der Rezeption und fahren um ca. 09:15 Uhr von Massa ab. Die Route führt uns über Volterra nach San Gimignano. Das Navigationssystem meint es nicht immer gut mit uns auf dieser Strecke. Sehr kurvenreich und hügelig geht es hier durch die echte toskanische Landschaft. Traumhaft schöne Ausblicke in der Nähe von Volterra. Ein paar km vor San Gimignano parken wir die Autos und fahren mit den Bikes nach San Gimignano. Hier gibt es erstmals viele Touristen. Das Bier am Hauptplatz für 5,50 € ist ein besonderer Genuss. Dann geht es auf einer netten Bikerunde wieder zurück zum Auto. Am Parkplatz wechseln wir noch unsere Klamotten und finden noch ein traumhaftes Gasthaus. In sommerlicher toskanischer Umgebung bei sehr gutem Essen findet unsere Reise hier ein Ende.

Zusammenfassend waren es traumhaft schöne Landschaften und außergewöhnliche angenehme Temperaturen waren, die diese weite Anreise rechtfertigen. Das hervorragende Essen und die sehr gute Unterbringung haben den Aufenthalt ebenso zum Erlebnis werden lassen. Das Biken alleine wäre in dieser Gegend wohl zu wenig.

 

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