Wettersteiner in Korsika
Übersetzen nach Korsika
Aufstieg Punte del Oriente
Abfahrt von Punta del Oriente
Viel Ausrüstung
Aufstieg Restonicatal
Aufstieg Capu a uTozzu
Anreise ins Asco Tal
Aufstieg Monte Cinto
Klettereien im Mittelteil auf Monte Cinto
Aufstieg Monte Cinto
Am höchsten Punkt von Korsika - 2.706m
Abfahrt Monte Cinto
Der beste Buschauffeur der Welt
Gipel A Maniccia
Essen in Korsika
Korsische Spezialitäten
Patrone
Weinkeller in Corte
Abschiedsfeier
Willkommen zu Hause

Korsika 2008 - Traumhafter Firn und Pulver hoch über dem Meer

Fink Klaus/Gschwentner Rainer 

Lange wollten wir schon nach Korsika, um endlich weit im Süden - hoch über dem Meer - auf Skitour gehen zu können.

Unsere Spezialisten Ossi Miller und Präsident Aschauer Helmut haben wie immer eine tadellose Vorbereitung durchgeführt, sodass einer perfekten Korsikareise nichts mehr im Wege stand. Mit Ruef Reisen aus Kematen haben wir auch ein Busunternehmen verpflichtet, welches mit dem Chef Markus Ruef hervorragend zu uns Wettersteinern passte. Bus, Fähre und Hotel wurden im Voraus gebucht. Ebenso wurde in weiser Voraussicht hinsichtlich der Bierpreise in Korsika genügend Bier eingekauft, sodass letztlich 42 Lagen Bier à 24 Dosen zu 0,5 l als Reisevorrat geladen wurden. Albin, einer der erfahrensten Biertrinker der Alpinen Gesellschaft Wettersteiner, war mit anderen Bergkameraden für diesen Einkauf verantwortlich.

 

Schon die Anreise ein Erlebnis

 

Am Samstag, 29.3.2008, treffen wir uns bei Dunkelheit am Parkplatz bei der Firma Hausberger; um 04:30 Uhr starten wir pünktlich, zuerst muss allerdings noch beträchtliches Gepäck verstaut werden. Unser Reisebus wird durch den Chef - Markus Ruef - persönlich gelenkt und bietet komfortable 38 Sitze an, sodass 25 Fahrgäste ohne Probleme Platz finden.

Der ersteTeil der Fahrt verläuft relativ ruhig, da noch die Nachtruhe genossen wird. Nach Bozen wird die Sache allerdings ernst. Mäx und Schauer W. haben es nicht unterlassen, sogenannte Trinkerpässe auszufertigen. In einer Skalierung von 1 bis 10 wurde vom Milchbubi bis zum Alkoholiker jeder Teilnehmer eingestuft. Das Ranking passt im „Großen und Ganzen“, nur unser Herr Baumeister Eichi wurde natürlich mit der Einstufung 3 völlig unterbewertet. Er hat sich jedoch auf die kommissionelle, unabhängige und objektive Einstufung berufen und lehnte kategorisch ein „Upgrading“ ab.

Mit ausreichender Mittagspause erreichen wir Livorno und können um 13:30 Uhr in See stechen. Nach vier Stunden traumhafter Überfahrt erreichen wir Bastia. Die vor uns liegenden 70 km nach Corte sind kein Problem, sodass wir bereits um halb Acht im Hotel „Dominique Colonna“ im Restonica Tal gemeinsam unser Abendessen genießen.

 

Zum Aufwärmen zwei mittellange Eingehtouren

 

Am Sonntag wollen wir eine Eingewöhnungstour machen. Ziel ist die Punta del Oriente (2.112 m). Um sieben Uhr sitzen alle beim Frühstück und eine halbe Stunde später im Bus. Unsere Fahrt führt uns auf den Vizzavona Pass (1.163 m). Direkt am Pass liegt der erste Schnee. Der Aufstieg auf die Punta del Oriente führt zuerst in mäßiger Steilheit durch den Wald. Im Mittelteil muss eine kurze Tragestrecke bewältigt werden. Vor uns liegt dann der mächtige Gipfelaufbau der Punta del Oriente. Das Wetter ist traumhaft schön und bietet ein herrliches Panorama. Bald erreichen wir steiles Skigelände und müssen mit den Steigeisen und den Skiern am Rucksack weiter aufsteigen. Im obersten Teil – eine steile Flanke hinauf bis zum Ziel – lassen wir die Ski zurück. Pickel und Steigeisen werden benötigt. Zu Mittag stehen dann fast alle Teilnehmer am Gipfel. Nach ausgiebiger Rast genießen wir die Abfahrt im guten Pulver, dann ein kurzer Gegenanstieg und weiter sehr rustikal bis zum Parkplatz. Das Teilnehmerfeld wird während der Abfahrt weit auseinandergerissen, sodass die Wartezeit auf die letzte Gruppe nahezu zwei Stunden beträgt. Dies ist allerdings kein Problem, sitzen wir doch in herrlicher Sonne und genießen erstmals unsere Biervorräte. Auf der Heimfahrt wird vehement eine Einkehr gefordert, dies jedoch fast autoritär durch den Präsidenten untersagt. Auch eine eingereichte schriftliche Petition hat ihre Wirkung verfehlt, sodass wir ohne Umwege zurück in unser Quartier gefahren sind. Am Abend werden wir im Hotel durch ein hervorragendes Essen verwöhnt.

 

Am Montag ist unser Ziel die Punta Artica. Nach abenteuerlicher Fahrt zum Col de Vergio müssen wir aber feststellen, dass wegen Schneemangels umdisponiert werden muss. Wie fahren die Straße wieder zurück; unser neues Ziel ist schnell gefunden und heißt jetzt Capu a u Tozzu (2.007m). Der Aufstieg ist wiederum sehr rustikal durch den Wald. An der Waldgrenze wird es dann deutlich steiler und relativ hart. Die letzten Meter bis zum Gipfel bewältigen wir mit Steigeisen. Einige tragen die Ski bis zum Gipfel. Wir genießen die Gipfelrast, die herrliche Sonne sowie den Ausblick auf das nicht weit entfernte Meer. Die Abfahrt im obersten Teil bis zur Waldgrenze bietet herrlichen Firn, dann ist die Tageserwärmung zu groß und wir stochern im „Sumpf“ hinunter bis zu unserem Reisebus.

 

A Maniccia – der erste große Gipfel im Restonicatal

 

Dienstag Morgen, Ziel ist der A Maniccia – 2.496 m. Die Straße in das Restonica Tal ist für unseren Bus zu eng. Wir müssen ein Taxi ordern, welches uns pünktlich um 08:00 Uhr beim Hotel abholt. Die Wettersteinertruppe hat sich heute geteilt - ein Teil geht auf Wanderung ins Tavignano-Tal, ein Teil macht eine Zugfahrt nach Bastia, der Rest geht auf Skitour. Wir können mit dem Taxi bis zur Pont de Grottelle (1.260m) fahren, hier versperrt eine Lawine die Weiterfahrt. Um halb neun starten wir los, nachdem vorweg wieder das obligate Bierdepot im Gelände eingerichtet wurde. Das Wetter ist mittelmäßig, in der Nacht hat es heftig geregnet. Wir tragen die Skier bis zur Berg. de Grottelle und dann geht’s mit Skiern weiter Richtung Talschluss. Dann zweigt der Aufstieg links ab und führt über einen steilen Felsriegel hinauf. Harscheisen werden benötigt und entsprechende Vorsicht ist geboten. Das Gelände ist sehr steil und es sind etliche Spitzkehren erforderlich. Auf Grund der Temperaturen und der relativ weichen Schneedecke kann auf Steigeisen verzichtet werden. Das Wetter zieht ein bisschen herum, teilweise Nebel, dann wieder Sonne.

Nach dem Felsriegel erreichen wir ein gewaltiges Skigelände. Der Neuschnee beginnt zu wachsen, sodass Spurarbeit angesagt ist. Über teilweise steile Hänge geht es hinauf zur A Maniccia. Im obersten Teil wird es dann stürmisch, sodass der Anorak gefragt ist. Alle elf Teilnehmer erreichen den Gipfel. Nach ca. 3 Std. haben wir es geschafft. Das Wetter bessert sich, wir können bei sehr guten Bedingungen abfahren.

Der Neuschnee der Nacht lässt sehr gute Abfahrtsbedingen zu - wir fahren im Pulver ab, wechseln dann übergangslos in den Firn. Die Steilstufe hinunter zum Talboden kann tadellos bewältigt werden. Talaus bleiben wir auf der rechten Talseite und müssen auf der Höhe der Alm den Bach überqueren. Entsprechende Vorsicht ist angesagt, um nicht nasse Füße zu bekommen. Eine sehr schöne Skitour wird dann bei Sonnenschein und einem guten Bier beendet.

 

Der Monte Cinto darf nicht fehlen!

 

Mittwoch, 2. April: Heute ist die Besteigung des höchsten Berges von Korsika vorgesehen – der Monte Cinto mit 2.706 m.

Wir frühstücken bereits um 05:30 Uhr und fahren dann um sechs vom Hotel ab. Unser Weg führt uns in das Asco Tal. Eine abenteuerliche Fahrt, ist doch eine Beschränkung für Fahrzeuge über 11,0 m Länge gegeben. Unser Bus hat 10,90 m!

Markus Ruef zeigt auf dieser Strecke seine ganze Klasse. Über eine sehr schmale Brücke kommen wir nur mit Einweisungen und einem coolen Fahrer. Es ist Fahren im „cm-Bereich“ angesagt. Nach mehrmaligem Reversieren kommen wird dann doch heil über die Brücke. Der Bus bringt uns direkt nach Haut Asco auf 1422 m. Es bilden sich zwei Skitourengruppen - die Cinto Geher und eine Gruppe, die Richtung Skilift zur Bocca Tumasginesca (Col Perdu) aufbricht. Die Ski werden direkt am Parkplatz angezogen, vorbei geht’s am ÖAV Haus, Richtung Talschluss. Ein gewaltiges Panorama, abenteuerlich und rustikal, eröffnet sich für uns. Bald erreichen wir die Brücke auf 1.488 m. Hier erkennt man den weiteren Anstieg zum Cinto. Ein felsiger, alpiner Aufstieg, der mit Skiern nicht zu bewältigen ist. Hier brechen die ersten die Tour ab. Das Gelände ist zu schwierig, vor allem im Hinblick auf eine mögliche Abfahrt.

Fast zwei Stunden tragen wir die Skier aufwärts, teilweise mit Steigeisen, denn da wo Schnee liegt, ist dieser pickelhart. Nach dieser Tragetortour erklimmen wir dann wieder 500 HM im steilsten Gelände mit den Skiern, um auf den restlichen 100 Metern mit geschulterten Skiern und Steigeisen die Schulter des Monte Cinto - Pointe des Eboulis 2.607 – zu erreichen. Von hieraus stapfen wir noch ca. 1 Stunde im mittleren Gelände über einen Grat, um nach fast sechs Stunden Aufstieg auf dem höchsten Punkt von Korsika zu stehen. Eine starke alpine Leistung, besonders von Schappi, der nun den Cinto im dritten Anlauf endlich besteigen konnte.

Zehn Wettersteiner waren glücklich, an DEM Ziel angekommen zu sein. Eigentlich war es aber relativ ruhig, die Wettersteiner waren in Gedanken schon bei der kommenden sehr heiklen Abfahrt.

Bei der Abfahrt verletzten sich Hagner Helli und Mäx durch Stürze im eisigen und durch Felsen versetzten Gelände. Sie hatten aber beide Riesenglück - die Sache hätte böse ausgehen können. Mäx beschädigt sich noch zusätzlich seine Bindung, sodass er nur mit einem Provisorium abfahren kann. Wo Schnee liegt, bedankt sich der Cinto mit herrlichen Firnverhältnissen.

Gegen vier Uhr nachmittags werden wir von unseren Kameraden an der Straße empfangen. Wir sind von der Bocca Borba eine Alternativroute zur Berg. de Manica abgefahren, die zwar eine längere Tragestecke zum Schluss mit sich brachte, aber uns allen ungefährlicher erschien.

Alle sind sich einig: Eigentlich ist der Cinto keine Schitour! Wir sind allesamt froh, dass das Abenteuer Cinto trotz Hüftprellung, Abschürfungen und Bindungscrash noch gut ausgegangen ist.

 

Als Draufgabe die Punta Muzella

 

Am nächsten Tag führt unsere Tour wieder in das Restonica Tal. Ziel ist diesmal die Punta Muzella (2.342 m). 16 Teilnehmer werden pünktlich um 08:00 Uhr durch das Taxi abgeholt. Der Rest verbringt den Tag mit einer Wanderung bzw. fährt mit dem Bus nach Ajaccio. Liebevolle Damen bieten bei dieser Busfahrt unserem Rainer diverse Medikamente an, in der Meinung, dass ihm von den vielen Kurven übel sei. Sie wissen natürlich nicht, dass Rainer am Mittwoch in der Sky Bar - bei der Cinto Feier - ganz schön „Gas“ gegeben hat.

Wir wissen von unserer Tour am Dienstag, dass wir im Restonicatal bis zur Brücke fahren können und steigen dort auch aus. Zu unserer Überraschung erkennen wir am Fußweg zur Berg. de Grotelle, dass eine Weiterfahrt möglich gewesen wäre. Die Lawine wurde offenbar durch den Straßendienst entfernt. Was soll’s, haben wir halt 20 Min. Fußmarsch zum Aufwärmen gemacht.

Der Weg führt uns bis zum Talschluss, dort überwinden wir die Steilstufe zum Melo See mit Harscheisen. Das Wetter ist traumhaft, der Schnee pickelhart. Beim Melo See ist der Landschaftseindruck überwältigend. Wir überqueren den See in der Uferzone, Meldungen der Kollegen an Ossi hinsichtlich der Tragfähigkeit der Eisdecke werden selbstverständlich abgegeben.

Im weiteren Anstieg trennt sich die Gruppe, ein Teil zweigt links Richtung Punta Muzella ab, der Rest bleibt auf der Route zur Bocca a Soglia. Das Gelände zur Punta steilt sich zunehmend auf, sodass sinnvollerweise Harsch- oder Steigeisen angezogen werden. Einzelne nehmen die Ski sogar bis zum Gipfel mit, andere belassen diese am Depot und steigen die paar HM ohne Ski auf. Das Wetter zieht ein bisschen herum und so will der Firn nicht so recht kommen. Wir haben aber die entsprechende Geduld und können bei traumhaften Firnbedingungen abfahren. Beim Melo See treffen wir wieder auf die Bocca a Soglia Truppe. Ohne Probleme und bei guten Schneebedingungen kommen wir wieder bis zur Brücke hinaus. Dort freuen wir uns über das deponierte Bier. Das Wetter ist nicht mehr so einladend, sodass wir das Taxi bereits früher ordern, welches uns direkt zum Hotel zurückbringt.

Am Nachmittag ist dann noch "Watschelen" angesagt. Direkt hinter dem Hotel auf einer Wiese kann der Uraltwettkampf der Wettersteiner beginnen - Jung gegen Alt. Wir Jungen beginnen extrem stark und gewinnen die erste Partie mit 15:0. Dann wird die Gangart jedoch etwas härter. Alt gewinnt die beiden restlichen Partien, sodass das Ergebnis mit 2:1 für die „Alten“ gegeben ist.

 

Ausklang in Corte

 

Freitag, 4. April. Geplant wäre für heute eine Skitour auf die Bocca a Soglia bzw. zum Monte Rotondo. Diese fällt für die meisten aber aufgrund des starken morgendlichen Regens im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, nur (!) 8 Wettersteiner brechen mit Tourenski auf, können aber die angestrebten Ziele letztendlich nicht erreichen. So wird der heutige Tag zu einem Stadtbummel durch Corte genutzt. Wir treffen uns dann am frühen Nachmittag in einem Weinkeller. Unser Busfahrer Markus hat diesen ausfindig gemacht und wird dort schon als Stammgast willkommen geheißen. Eine urige Behausung mit außergewöhnlicher Atmosphäre und sehr guten korsischen Weinen. Entsprechende Mengen werden gereicht. Der Patrone des Lokals allein ist schon eine Sehenswürdigkeit. Es wird ganz schön gezecht und auch von den hervorragenden Spezialitäten des Hauses – frisches Baguette und korsische Wildschweinsalami – wird nicht wenig konsumiert. Die letzte Gruppe verlässt den Weinkeller gerade noch rechtzeitig, um pünktlich zum Abendessen zu kommen.

 

Sehr zeitig bekommen wir am Samstag Morgen unser letztes Frühstück, danach ist alles sofort aufgeladen, was nicht schon am Vortag verstaut wurde. Um 08:30 Uhr erreichen wir die Fähre in Bastia ohne Schwierigkeiten. Die Überfahrt ist problemlos, ebenso die weitere Heimreise nach Innsbruck. Gegen sieben Uhr abends werden wir von Stern Charly mit Sekt am Parkplatz Hausberger empfangen. Eine traumhafte Woche geht zu Ende. Alle Teilnehmer haben Korsika genossen, auch unser Busfahrer Markus war von den Wettersteinern mehr als angetan.

Ossi überlegt bereits intensiv mögliche Ziele für Wettersteinerreisen 2009. Unser Dank geht nochmals an alle verantwortlichen Organisatoren und Kameraden, weil es so lässig war!!

 

Korsika - eine Insel mit alpinen Gipfeln

 

Wer glaubt, in Korsika gemütlich auf Skitour gehen zu können, der irrt sich gewaltig. Wir treffen hier auf hochalpine Touren, die Harscheisen, Steigeisen, Pickel und teilweise sogar Seil erforderlich machen. Auch Hangneigungen mit 40° bis 45° sind keine Seltenheit und im Aufstieg als auch in der Abfahrt zu bewältigen.

Die Skitouren im Asco Tal, im Tourengebiet Col de Vergio, im Restonica Tal sowie am Col de Vizzavona sind große Klasse und so haben wir in dieser Woche nur ganz wenige Tourengeher angetroffen bzw. gesehen. Eigentlich waren wir alleine unterwegs. Enge Straßen und Wege, steile Anstiege und teilweise traumhafte Firn- und Pulverbedingungen waren Lohn für die nicht unbeträchtlichen Anstrengungen.

 

<-- Zurück zu den Auslandsfahrten