Bilder:

Abfahrt vom Jalovec
Das Tor zur Hölle
Drei Bezwinger der Lahnscharte
Grosse Mostravka
Jalovec mit der Aufstiegsrinne
Triglav Gipfelgrat

Schitouren in den Julischen Alpen

Helmut Aschauer

Wieder einmal ist es soweit, die inzwischen zum alljährlichen Tourenhöhepunkt der Alpinen Gesellschaft Wettersteiner herangereifte Auslandsbergfahrt beginnt. Wir schreiben den 1. April 2005, das Ziel unserer Fahrt ist aber kein Aprilscherz, es lautet Julische Alpen. Ein schroffer Gebirgszug in den südlichen Kalkalpen, zum Großteil in Slowenien gelegen, der mit den Triglav seinen höchsten Punkt erreicht. 22 Teilnehmer haben sich für die 5 bevorstehenden Tourentage angemeldet, davon 14 Wettersteiner und 8 Gäste.

Einstimmungstour auf das Weißeck, Radstädter Tauern

Für einen Teil der Gruppe - der aus lauter Pensionisten und einem Studenten besteht - beginnt die Fahrt schon um 6:00 Uhr in der Früh. Unser Alttourenwart und Ehrenmitglied Hermann hat sich nämlich schon für den Anreisetag, der mit wolkenlosem Himmel beginnt, ein Gustostückerl von Schitour einfallen lassen. Wir wollen das Weißeck (2.711 m) im Lungau besteigen, um die lange Fahrt nach Kranjska Gora, unserem Stützpunkt für die bevorstehenden Touren in Slowenien, ein wenig zu unterbrechen. Der Ausgangspunkt für das Weißeck liegt in der Nähe des Südportals des Tauerntunnels, sodass für uns kein langer Umweg mit dem Auto erforderlich ist. Kurz vor 9 Uhr stehen wir auf den Schi und steigen durch lichten Lärchenwald höher, um ins wildromantische Hochkar „In der Hölle“ zu gelangen. Nach gut 2 Stunden Aufstieg erreichen wir die Felskarspitze (2.506 m), einen vorgelagerten Gipfel am Weg zu unserem Tourenziel. Von dort geht es über einen Grat und schließlich über die ziemlich steile Südflanke mit geschulterten Schi auf den Gipfel des Weißecks, der höchsten Erhebung in den Radstädter Tauern. Grandiose Aussicht auf die Ankogelgruppe belohnt uns zusätzlich zum Gipfelglück. Der absolute Höhepunkt dieser Tour steht uns jedoch noch bevor: die Abfahrt durch das nordseitige, mit 15 cm Pulver frisch angezuckerte Ödenkar. Wir schwingen nahezu endlos durch das unverspurte Kar hinunter, weiter unten dann ein nahtloser Übergang zum Firn. Da schmeckt das anschließende Bier im Gasthaus Hinterhuber besonders gut, der Auftakt zu diesem Schitouren-Ausflug ist gelungen.

Im 4-Sterne Hotel in Kranjska Gora

Nach der weiteren Anreise über die Tauernautobahn und den Wurzenpass treffen wir am späten Nachmittag in Kranjska Gora bei unserem vorgebuchten Hotel „Larix“ ein, das mit seinen 4 Sternen für die Wettersteiner gerade gut genug ist. Spaß beiseite, wir logieren hier hervorragend, das Hotel bietet zu einem sehr günstigen Nachsaisontarif jeglichen Komfort, sogar mit hauseigenem Hallenbad und Whirlpool. Die restlichen, meist erwerbstätigen Wettersteiner und Gäste (sie mussten an diesem Freitag noch arbeiten anstatt eine Schitour zu machen) treffen nach und nach ein, es gibt ein großes Hallo an der Hotelbar.

Triglav, König der Julier

Aufgrund der vielversprechenden Wettervorhersage entschließen wir uns, die längste der geplanten Schitouren in den Julischen Alpen, den Triglav mit 2.864 m, gleich am nächsten Tag in Angriff zu nehmen. Beim morgendlichen Aufbruch um 6:00 Uhr stellten wir mit Freude fest, dass die Nacht sehr kalt war, die Verhältnisse also ideal sind für den bevorstehenden steilen Anstieg. Der Startpunkt für diese Tour befindet sich im Vrata-Tal, etwa 1 km vor dem Aljazev dom auf 950 m Seehöhe. Zuerst zwingt uns Schneemangel, die Schi 200 Höhenmeter durch den Buchenwald zu tragen, bald jedoch eröffnet sich vor uns ein steiles, schneegefülltes Kar, durch das man schnell an Höhe gewinnt. Nicht zu Unrecht trägt dieser Aufstieg den Namen „Die Stiege“, es geht ohne Flachstelle bergwärts. Nach etwa 2 Stunden erwischen wir die ersten Sonnenstrahlen, die Tour ist aber noch lange nicht zu Ende. Der Weiterweg führt über die Stanica- und die Triglav-Hütte zum Ansatz des 300 Meter hohen Gipfelgrates, über den ein Klettersteig auf den Gipfel leitet. Dieser ist zwar ausgesetzt und verschneit, aber mit Steigeisen und Pickel ganz gut zu bewältigen, und nach fünfeinhalb Stunden stehen wir am höchsten Punkt Sloweniens, ein erhebender Augenblick. Wir, das sind nur mehr Hermi, Günther, Sepp und ich, der Rest der Truppe hat sich entschlossen, die Tour auf 1.400 Höhenmeter zu verkürzen und den „Großen Triglavschartenkogel“ (Orginal-Namensgebung von Schappi) zu besteigen. Alle sind sehr zufrieden mit der gelungenen Tour, das anschließende Bad im Whirlpool, die Durstlöscher an der Hotelbar und das reichhaltige Abendessen hat sich jeder einzelne ehrlich verdient.

Jalovec – durch das „Tor zur Hölle“

Das gute Wetter verspricht anzuhalten, die Motivation ist auch noch groß, das Tourenziel für den nächsten Tag lautet Jalovec, ein weiterer Hauptgipfel in den Julischen Alpen, bzw. Kotovo-Sattel. Der Weg dorthin führt durch das Planica-Tal, an dessen Beginn sich die berühmten Sprungschanzen befinden. Wir müssen unsere Autos leider schon bei den Sprungschanzen parken, was bedeutet, dass der 4 km Talhatscher zur Tamar-Hütte zu Fuß bewältigt werden muss. Doch auch dies kann uns die gute Laune nicht verderben, und nach einer Stunde stehen wir im Talschluss vor einer überwältigenden Kulisse: Über dem mittelsteilen Schneekar, das nun den weiteren Anstieg vermittelt, thront der mächtige Felsklotz Jalovec (2.643 m), links und rechts gesäumt von steilen Firnrinnen und Wandfluchten. Es erscheint fast unglaublich, dass dieser Berg im Winter bestiegen werden kann. Die Wettersteiner  teilen sich wieder, ein Teil wählt den etwas kürzeren Anstieg rechts am Jalovec vorbei zum Kotovo-Sattel, die Gipfelanwärter-Gruppe, heute bestehend aus 6 Mann und dem Hund „Gustl“, stiegt durch die schmale und etwa 40 Grad steile Jalovec-Rinne hinauf zum Schidepot. Von dort überwinden wir über Felsbänder und Rinnen an der Südseite den Gipfelaufbau und reichen uns, wie schon am Vortag, nach fünfeinhalb Stunden Aufstieg die Hände zum „Berg Heil“. Ein weiteres Wunschziel ist erreicht. Bei der Abfahrt heißt es nochmals aufpassen, vor allem die Einfahrt in die Jalovec-Rinne, das „Tor zur Hölle“, wie es Börni nennt, ist sehr steil. Auf der Tamar-Hütte gibt’s dann ein freudiges Wiedersehen mit den Kotovo-Bezwingern. Wir erfahren, dass Heinz bei der Abfahrt den Vorderbacken seiner Bindung verloren hat und deshalb wie Bode Miller mit einem Schi weiterfahren musste. Von den Kameraden wurden dabei Haltungsnoten vergeben und Heinz erntete einiges an Gelächter, aber wer den Schaden hat, ...

Lahn-Scharte, Firnrinne über den Weißenfelser Seen

Das wolkenlose Wetter geht nicht zu Ende, ein Ruhetag ist nicht in Sicht. Zwei Kärntner Bergführer, die wir am Vortag kennergelernt haben, gaben uns einen Tourentipp für den 4. Tourentag: die Lahnscharte (Forc. della  Lavina, 2.055 m) im italienischen Valle di Fusine. Wieder befinden wir uns in einem unheimlich imposanten Talschluss, von den Nordabstürzen des Mangart umrahmt. Die angestrebte Scharte sieht vom Parkplatz ziemlich steil aus und löst unter uns die Frage aus, ob wir uns wohl am richtigen Anstieg befinden. Mit etwas Bauchweh gehe ich los, habe ich doch am Vortag die Empfehlung abgegeben, die Steigeisen im Hotelzimmer zu lassen. Doch beim Annähern durch das Valle della Lavina sieht dann alles nicht mehr so schlimm aus. Mit guter Spitzkehrentechnik und Harscheisen steigen die meisten von uns bis zur Scharte hinauf, die wir in etwa 3 Stunden erreichen. Oben gelangen wir nun auf die sonnige Südseite und schauen hinüber zum Mangart, einem weiteren Julischen Riesen. Angeblich könnte man auch ihn mit Schi besteigen, das ist uns aber heute eindeutig zu weit, wir geben uns mit dem Travnik (2.204 m) zufrieden. Die Abfahrt von der Scharte erfordert wieder volle Konzentration, da aufgrund der für Anfang April sehr geringen Temperaturen der Schnee im Schatten nicht auffirnt. Ein Sturz wäre in der 35 bis 40 Grad steilen Rinne nicht sehr gesund. Alle gelangen wohlbehalten herunter, im unteren Teil gibt’s dann sogar den herbeigesehnten Firn. Auf der gemütlichen Terrasse bei den Laghi di Fusine (Weißenfelser Seen) feiern wir die gelungene Tour gebührend, sowohl die Nudeln als auch der Rotwein munden hervorragend.

Schlusspunkt: die beiden Mojstrovka-Gipfel

Der fünfte und letzte Tag ist gekommen, und auch diesen wollen einige Nimmermüde noch ausnutzen. So steht heute eine kürzere Abschlusstour am Programm, die Kleine und Große Mojstrovka (2.366 m) vom Vrsic-Pass. 11 Mann können sich nochmals aufraffen und genießen am Gipfel die Aussicht auf die unzähligen felsigen Gipfel der Julischen Alpen. Bei der südseitigen Abfahrt gibt es diesmal besten Firn, kurz nach Mittag sind wir schon zurück in Kranjska Gora.

Beim anschließenden Mittagessen werden nochmals die Erlebnisse der vergangenen Traum -Tourentage nachbesprochen und bereits Pläne für neue Ziele geschmiedet. Das ausgezeichnete Wetter und die gelungenen Anstiege, aber auch die Kameradschaft und hervorragende Stimmung unter den Teilnehmern ließen die Reise zu einem Erlebnis der Extraklasse werden, das für die kommenden Jahre Motivation für neue Wettersteiner-Unternehmungen gibt.

 

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