Bilder:

Unser Bus in Saloniki am Flughafen
Unser LKW im Militärlager
Aufstieg zum Olymp
Am Olymp
Meteora Felsen bei Kastraki
Brücke über den Voidhomatis
Im GUEST HOUSE „DIAS“ in Papigo
Blick vom Hotel Ri Albanien
Am Forstweg zum Smolikas
Am Meer bei Litochoron

Schitouren zum Thorn der Götter

Klaus Fink

Mit Schi- und Rucksack nach Thessaloniki

Alle Teilnehmer treffen sich pünktlich am 6.März 2004 um 07:30 zur Abfahrt nach München. Von dort geht’s weiter mit Olympic Airways. Mit fast einstündiger Verspätung heben wir um 13:15 von der Piste ab und setzen nach zweistündigem Flug wieder in Thessaloniki auf. Dort erwartet und bereits Diamantidis, unser griechischer Busfahrer. Er staunt nicht schlecht, als er die riesigen Mengen an Gepäck sieht, welches zu verstauen ist. Alle Laderäume und auch noch der hintere Teil des Busses sind erforderlich um das Gepäck unterzubringen.

Nach zweistündiger Fahrt erreichen wir Litochoron. Dort erwartet uns bereits Christina, die perfekt deutsch spricht und zumindest über Handy für die nächsten Tage auch die Kommunikation mit Diamantidis gewährleistet. Diamantidis hinterlässt einen etwas unglücklichen Eindruck, die Sprachschwierigkeiten, die riesigen Gepäcksmengen lassen ihn etwas verzweifeln. Im Verlauf der Woche werden wir uns aber sicher näher kommen und mit ihm einen verlässlichen und guten Fahrer gewinnen.

Wir beziehen unsere sauberen und netten Zimmer im gebuchten Hotel und Christina führt uns dann in eine griechische Taverne (Einheimischenlokal). Sehr gutes Abendessen mit einer der Gruppe angepassten Menge an Retsina und Ouzo. Allzu lange halten wir aber nicht aus, morgen wartet ein langer Tag auf uns.

Gleich hinauf zum Thron der Götter

Die Schlechtwetterfront lässt uns einen sehr frühen Aufbruch festlegen. Wir sind in Sorge, dass sich das Wetter verschlechtern könnte und wollen möglichst früh am Berg sein. Um 03:30 haben wir das Frühstück bestellt um 04:00 ist die Abfahrt fixiert. Wir werden heute in Summe 5235 HM zurücklegen, natürlich nicht alles mit den Skiern. Die Etappen sind aufgeteilt, auf eine Busetappe, eine LKW Etappe und letztlich die Skitour Etappe. Es ist schon etwas besonderes, vom Meer aus den „Thron der Götter“ mit Ski zu besteigen.

Das Wetter ist hervorragend, wolkenlos und sonnig, aber sehr kalt. Ossi gibt die Order aus, sich für die LKW Fahrt entsprechend warm anzuziehen. Das ganze Gepäck wird auf der Ladefläche verstaut, wir selbst schauen, dass wir teilweise sitzend oder stehend und sich an der Bordwand festklammernd die Fahrt überstehen. Es ist wirklich kalt. In knapp einer Stunde bewältigen wir die 16 km lange Auffahrt. Im oberen Teil ist Schneefahrbahn, welche aber kein Problem darstellt.

Wir sind nun bei einem Militärlager und somit offensichtlich auch in einer Art Sicherheitszone. Ein Soldat empfängt uns freundlich und führt uns zur Kommandatur, wo wir unsere Namensliste und Passliste abgeben müssen. Ohne weitere Kontrollen können wir weitergehen. Ein Soldat führt uns noch durch das Lager hindurch bis der eigentliche Anstieg um 08:00 beginnt.

Der Aufstieg verläuft unproblematisch und ist technisch nicht anspruchsvoll. Herrliche Landschaft und traumhaftes Winterpanorama, so dass wir den Aufstieg richtig genießen. Mit uns auch ein weißer Hund, der uns auf der gesamten Tour nicht von der Seite weicht, zuerst noch etwas scheu und auf Distanz, freundet er sich mit unserer Gruppe mehr und mehr an. Bald erreichen wir den zwischen Skolio und Aghios Antonios liegenden Sattel, der restliche Anstieg auf den Skolio (2904 m) ist unproblematisch. Die ersten Wettersteiner stehen um ca. 11:30 am Gipfel. Letztlich erreichen alle 23 Teilnehmer den Skolio. Ein großartiger Erfolg!

Die Gruppe teilt sich auf, ein paar Wettersteiner gehen noch weiter zum Skala (2866 m). Von dort kann man den weiteren Verlauf des Anstieges auf den Hauptgipfel (Mitikas 2918 m) erkennen. Auf Grund der Bedingungen und des erforderlichen Zeitaufwandes wird der anspruchsvolle Anstieg (Seil, Steigeisen) nicht durchgeführt.

Kurze Rast am Skala, dann brechen wir zur Abfahrt auf. Die Flanke des Skolio querend erreichen wir wieder den angesprochenen Sattel und steigen noch ca. 20 Minuten hinauf zum Aghios Antonios ( 2815 m). Drei Gipfel bei herrlichen Bedingungen.

400 Hm Abfahrt über einen steilen Südhang stehen uns bevor. Im obersten Teil etwas hart, dann jedoch bei ausgewählter Spur passabler Firn. Von der Bergstation eines Schleppliftes weg fahren wir auf bestens präparierter Pulverpiste weitere 600 Hm hinunter bis zum LKW.

Dort finden wieder alle Wettersteiner zusammen, wir trinken noch gemütlich ein Bier, dann steigen wir wieder auf unseren LKW, der uns sicher hinunter ins Tal bringt.

Am Abend, zurück in Litochoron, genießen wir das Essen in einem ausgewähltem Restaurant, welches zwar vornehmer ausgestattet ist, die Qualität des Essens ist aber gleichwertig zum Vorabend einzustufen. Nur der Preis ist deutlich höher.

Was soll’s, schließlich waren wir am Thron der Götter - zumindest am Skithron. Nicht alle finden ihre Nachtruhe. Wilfried betätigt sich als griechischer Barkeeper und macht dabei ein hervorragendes Bild. Rainer kann der Versuchung nicht ganz widerstehen und wird für den Rest der Woche „Mr. Ballentines“ genannt.

Meteora und verschneite Passtraßen

Um 09:15 fahren wir mit dem Bus Richtung Meteora. Das Wetter hat sich leider stark verschlechtert. Um die Mittagszeit erreichen wir Kastraki und beziehen dort unser Hotel. Regen und Schneefall in Kastraki und sehr kalt. Der gewaltige Eindruck der Meteorafelsen wird durch diese düstere Umgebungsstimmung noch verstärkt. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung.

Nicht viel los in Kastraki. So sind wir froh, dass wir eine offene Taverne finden. Am späteren Nachmittag genießen wir noch das wärmende Kaminfeuer in der Hotelhalle und trinken gemütlich ein Bier.

Das gemeinsame Abendessen findet in Kalambaka statt. Dorthin bringt uns der Bus in ca. 10 Minuten. Am Abend ist noch ein Barbesuch in einem Internetcafe angesagt. Wetterinformationen für die nächsten Tage und Infos aus der Heimat zu den Wahlergebnissen können problemlos abgefragt werden.

Schlechtes Wetter, es regnet in Strömen. Nach dem gemütlichem Frühstück bringt uns der Bus in die direkte Klosterregion. Beeindruckende Bauten und Felsformationen. Nach dem Motto „ein Kloster – alle Klöster“ besuchen wir nur zwei Klöster, nämlich das Kloster Varlaam und Agios Stefanos.

Zu Mittag jausnen wir noch in der Hotelhalle, laden unser Gepäck auf und fahren Richtung Katara Pass. Eine weite und anspruchsvolle Fahrt steht uns bevor. Gleich nach Kalambaka werden wir von der Polizei angehalten und Diamantidis muss seine LKW – Ketten vorweisen, dann ist die Weiterfahrt möglich.

Vorbei an nichtssagender Landschaft erreichen wir bald die Bergstrecke hinauf zum Katara Pass. Nun wird es interessant. Schneefall und wirklich unwirtliche Bedingungen. Bei einer Raststation geht nichts mehr, die Polizei erlaubt nur die Weiterfahrt mit Schneeketten. Voller Winterdienst ist im Einsatz, Schneepflüge, Salzer und Grader werden eingesetzt um den Schneemassen Herr zu werden. Albin und Dieter sind unserem Fahrer auch bei der Kettenmontage behilflich.

Die Auffahrt auf den Pass wäre auch ohne Ketten möglich gewesen, nicht so die Abfahrt hinunter nach Metsovo. Stürmische Verhältnisse und Schneefahrbahn zeigen, dass die Ketten erforderlich sind. Langsam, aber sicher bringt uns Diamantidis hinunter.

Den See bei Ioannina lassen wir links liegen und fahren Richtung NO der Beschilderung nach Konitsa folgend. Über eine schmale, kurvenreiche Bergstasse und ein noch schmalere Bogenbrücke erreichen wir in wilder schöner Landschaft das Bergdorf Papigo.

In ausgesprochen schönen und netten Quartieren werden wir untergebracht. Auch im Lokal in Papigo unterstreichen ein offener Kamin und Natursteinmauerwerk die traumhafte Atmosphäre. Wir genießen den Abend und lassen uns das speziell für uns zubereitete Griechenlandlamm besonders schmecken. Ossi und Joe haben bereits im Vorfeld die entsprechende Order dazu gegeben. Nicht allzu lange wird gefeiert, steht doch für morgen eine Skitour am Programm.

Bei den Bären im Thympi-Gebirge

Wir wollen von Papigo aus den Gamila (2497 m) besteigen, leider sollte das nicht gelingen, wir kommen nur bis zur Astraka Hütte (1950 m). Der Weg durch das kleine Dörfchen Papigo ist vorgegeben, bald erreichen wir das freie Gelände, wo wir auch auffellen. Abenteuerlicher Aufstieg der teilweise mit WEG 03 beschildert ist.

Im lichten Unterholz entdecken wir plötzlich eine gut erkennbare Bärenspur. Der frische Abdruck der Tatze bzw. der Krallen sind auch für uns Laien eindeutig erkennbar. Wir sind zwar beeindruckt, lassen uns dadurch vom Weitermarsch nicht aufhalten. Schwere Spurarbeit ist jetzt angesagt. Mit entsprechender Abwechslung geht es aber recht gut.

Das Wetter verschlechtert sich. Dichter Nebel verhindert eine solide Orientierung. Wir warten auf ca. 1800 m ab und haben etwas Glück, der Nebel lichtet sich, so dass wir noch relativ gute Sichtbedingungen vorfinden. Nach Überwindung einer Steilstufe ist die Hütte gut erkennbar. Hagner Helli legt eine super Spur hinauf bis zur Hütte, welche wir um 11:15 erreichen. Ein schönes Schutzhaus, das einen gediegenen Eindruck hinterlässt. Das Wetter, die Schneebedingungen und auch die Zeit berücksichtigend lassen den Entschluss reifen, nicht mehr weiter zu gehen. So fahren wir in zwei Gruppen nach Papigo ab.

Am frühen Nachmittag brechen wir nach Konitsa auf. Zwischenzeitlich hat sich unser Chauffeur an die Wettersteiner gewohnt und bemerkt, dass wir gar keine so fade Truppe sind. Zurufe wie „Diamantidis bitte pipi –Stopp“ werden mit einem Lächeln ausgeführt. Auch das Wettersteiner Trinklied, das bei jeder passenden Gelegenheit, sowohl im Bus als auch in den Lokalen zum Besten gegeben wird bringt unseren Griechen zum Lachen.

„Üüüüüberall auf der Welt scheint die So-o-o-nne  ---- prost !!!“

Am nächsten Tag brechen wir bei traumhaftem Morgenwetter, mit Blick auf die nahen albanischen Berge, zum zweithöchsten Berg Griechenlands, dem Smolikas (2637 m) auf. Bald hinter Konitsa beginnt wieder der Schnee, unsere Fahrt führt über einen 1400 m hohen Übergang. Dank der ausgezeichneten Fahrkünste unseres Diamatidis erreichen wir nach abenteuerlicher und nicht ungefährlicher Fahrt, mit schaurigen Tiefblicken zum Aoos Fluß bald Elefthero und fahren noch weiter bis kurz vor Palioseli. Schi anschnallen. Ein Forstweg, der zwar landschaftlich durchaus seine Reize hat, aber unendlich flach ansteigt, bringt uns fast zur Verzweiflung. In ca. 1:30 Std. machen wir nur 350 HM. Außerdem müssen wir erkennen, dass wir falsch losgegangen und vom Gipfel noch viel zu weit entfernt sind. Wir besteigen nach mehreren Grabenquerungen noch einen Rücken, der zumindest den Blick auf den Smolikas zulässt. Das ist für heute der Endpunkt unserer Tour. Zwischenzeitlich hat sich das Wetter auch wieder verschlechtert, dunkle Wolken ziehen auf, so dass wir froh sind, ungeschoren über den 1400 m hohen Übergang zurück nach Konitsa zu kommen. Den Abend verbringen wir in einer Taverne, wo wir nach dem Essen unseren donnerstäglichen Vereinsabend abhalten und auf Kogsis Geburtstag kräftig anstoßen.

Wetterpech vereitelt weitere Ziele

Ein schlechter Wetterbericht zwingen uns zur Rückfahrt nach Litochoro. Eine ähnliche Fahrt über den Katara-Pass wie bei der Anreise steht bevor. Heftiger Schneefall und teilweise Schneefahrbahn zwingen uns wiederum zur Kettenmontage. Diamantidis legt nur eine Kette rechts hinten auf.

Die letzten beiden Tage werden bei einer Schluchtwanderung, Watschelen am Meeresstrand, Kartenspielen und einer Stadtbesichtigung von Thessaloniki verbracht. Mit einer Fokker 100 starten wir nach einer Woche pünktlich um 16:00 zum Rückflug nach München. Um 20:10 können wir in Innsbruck am Parkplatz beim Hausberger aussteigen und werden dort herzlich von unseren Familienangehörigen empfangen. Letztmalig geben wir unser Wettersteiner Trinklied zum Besten. Eine schöne Reise in das wilde Griechenland findet ihr Ende.

 

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